Dörflicher Heimatabend der Selenter Snackfatt (Archiv)

01. Jun 2003, 4:15 PM (Frank Hunck) ♥ Freunde, Kultur, Selent · Translation: en fr

/fhu 1. März 2001 (früher unter www.selenter-see.de)
Der Saal deS "Selenter Hofs" füllte sich mehr und mehr, die Trennwand musste geöffnet und weitere Tische und Stühle herbeigeschafft werden. Der Saal des Selenter Hofs ist voll, es mussten noch weitere Tische und Stühle herbeigeschafft werden. Mit solch einem grossen Andrang hatte Caroline Weisner, die zweite Vorsitzende des Selenter Snackfatts, nicht gerechnet. Sie hatte zu einem dörflichen Heimatabend geladen, wo Mitglieder des Vereins und weitere Selenter Bürger "op platt" Geschichten aus der Kriegs- und Nachkriegszeit erzählen sollten. Es waren hauptsächlich ältere Bürger aus Selent und den umliegenden Gemeinden, die in den Saal strömten.

Auslöser war eine Episode mit einem jungen Selenter, der meinte, dass der "Schienwerferbarg" so hiesse, weil des Nachts die Scheinwerfer der Autos am Berg zu sehen seien. Woher sollte er auch wissen, dass im Krieg ein Scheinwerfer der Flak dort stationiert war …

Eingeleitet wurde der Abend durch einen Bildervortrag. Johann Thurner (77), der als Soldat auch in Selent stationiert war, hatte in seinen Photoalben gekramt und Bilder zur Verfügung gestellt (Mehr dazu in einem KN-Artikel von Christoph Kuhl).
Caroline Weisner erzählt die Geschichten zu einem Epidiaskop-Vortrag
Frau Weisner übergab dann das Wort an Lilo Schlünzen, die zwei Geschichten aus der (Nach-) Kriegszeit "op platt vertellt hett".

Ebenfalls Geschichten aus dieser Zeit wurden von Tea Peters, Karl-Heinz Schröder und Knut Huldberg vorgetragen. Hier ist noch die Geschichte mit dem Swien, die im Dialog von Snackfatt-Mitgliedern erzählt wurde.

Insgesamt war es ein sehr gelungener Abend, und ich hoffe, dass der Snackfatt dies als Auftakt für weitere Veranstaltungen zu Selenter Geschichte(n) nimmt. Caroline Weisner hat schon angekündigt, dass zum Thema "Baracken auf dem Scheinwerferberg", in denen zuerst die stationierten Soldaten, und nach dem Krieg Flüchtlinge und Ausgebombte untergebracht waren, folgen wird.


KN-Artikel von Christoph Kuhl
KN-Artikel von Christoph Kuhl: Selent: Erinnerungen an den »Scheinwerferberg«

1. März 2001

Selent (uhl) Der Scheinwerferstrahl auf der Selenter Anhöhe erfasste einen englischen Bomber in jener Sommernacht des Jahres 1941. Senkrecht steuerte der Pilot sein Flugzeug im Lichtstrahl herunter. Die Soldaten erkannten die Gefahr und schalteten das helle Licht ab. Vier Bomben fielen wenig später zum Glück auf eine angrenzende Koppel. Schilderungen mehrerer Zeitzeugen hat Olga Weisner für einen "dörflichen Heimatabend" des Selenter Snackfatts zusammengetragen.
Der "Scheinwerferberg" am Ortsausgang von Selent in Richtung Kiel steht dabei im Mittelpunkt der Veranstaltung am Donnerstag, l. März, im "Selenter Hof". Zur Sicherung Kiels waren allein in der Umgebung von Selent Marinesoldaten der Abteilung Flugabwehr an verschiedenen Standorten stationiert, in Marienhorst etwa oder in Rastorfer-Passau. Auf "Bali" in Lilienthai stand zudem eine der größten Flak-Batterien der Region.

Johann Thurner ist einer der Zeitzeugen, für den in den Gesprächen mit Olga Weisner die Ereignisse der damaligen Zeit wieder auflebten. Als junger Mann war Zeitzeuge: Der frühere Marinesoldat Johann Thurner hat in seinen Fotoalben zahlreiche Bilder längst vergangener Zeiten entdeckt. Foto Kuhler bei seinen Einsätzen im Südosten Kiels auch auf dem "Scheinwerferberg" in Selent. "Nachts gabs oft Alarm, tagsüber war Dienst angesagt vom Exerzieren bis zum Geräte säubern – das war ein harte Zeit ohne viel Schlaf, manchmal richtig zum Verrücktwerden", erinnert sich der heute 77-Jährige. In alten Fotoalben hat Johann Thurner noch viele Bilder gefunden, die er jetzt für den dörflichen Heimatabend zur Verfügung stellte. (Foto Kuhl)

Zeitzeuge: Der frühere Marinesoldat Johann Thurner hat in seinen Fotoalben zahlreiche Bilder längst vergangener Zeiten entdeckt.

Zu den vergangenen, aber längst nicht vergessenen Ereignissen jener Zeit zählen aber auch die Kindheitserinnerungen von Tea Peters oder Karl-Heinz Schröder. Über kleine Alltagsbegebenheiten wird Lilo Schlünzen berichten. Und Knut Huldberg schließlich hat kleine Randnotizen jener Zeit in lustige Anekdoten verpackt.

"Seitdem unser Theaterspiel ruht sind wir um ein anderes Standbein bemüht", erklärt die zweite Vorsitzende des "Selenter Snackfatts", Olga Weisner, den eigentlichen Hintergrund dieses Heimatabends. Beginn im "Selenter Hof" ist am Donnerstag, l. März, um 19.30 Uhr. Über möglichst regen Zuspruch würden sich die Mitwirkenden freuen.

Mit Richt- und Horchgeräten sowie großen Scheinwerfern wurden feindliche Flugzeuge am Himmel über Selent ausgemacht, wie diese alte Aufnahme von der Selenter "Scheinwerferstellung" zeigt. Repro KuhlMit Richt- und Horchgeräten sowie großen Scheinwerfern wurden feindliche Flugzeuge am Himmel über Selent ausgemacht, wie diese alte Aufnahme von der Selenter "Scheinwerferstellung" zeigt. Repro Kuhl


Lilo Schlünzen vertellt twei geschichten op platt…

De Geschicht mit de Wäscheklammern und de Open …
In eene vun de Barackebn op`n Schienwerferbarg wohnte eene Familie, de harr ehren geregelten Tagesablauf weller good in´n Griff.
Vadder und Modder harrn Arbeit tun´n. Fröh ging´n se ut de Dör, und vun eehre Kinner verlangen se, dat de Stuv warn wer und de Disch deckt, wenn se weller an Huus torücht küm´n.
Dat wer ok keene lichte Opgow for de Kinner. Wer jo allens knapp; dat Papier, dat Holt, de Rietsteken!

Dat Holt sammel man siek. Entweder in´n Knick, oder in´t Kreinholt, ok ün´n an Selenter See lang. Bloß eenigermoten droch müß dat sien, sünst blöker dat ganz fürchterlich in de Stuw.
Ok ohle Zeitungen müßt du sammeln. Brenn´ heel good an, wenn vörher all mol dien Bodderbrot inwickelt harrst.
Een Problem wern ok de Rietsteken. Vadder harr vör jeden Dag twee Stück hindeelt.

Eenes Morgens, de Jung, de an de Reeg wer Füer to moken wer hüüt heel swöör ut Bett kam´n. Nie fehl´n em all föftein Minuten, üm siene Opgowen to schaffen.
Rasch in´ne Büx und de Pantüffeln und denn … und denn füll em in, he harr an´ Dag vörehr so lang buten speelt und dorbi vergeeten, siek dröges Holt to´n anbeuten mittobringen.

An Oben stopeln siek bloß recht groote Stücken, buten harr dat regent, also wer´n to Anbeuten ok keen Stück to gebruken; und sien Vadder kunn recht ungnädig war´n, wenn´t nich klappt mit de Arbeit.
Dor süht he, op Riech achter in´ne Eck den Kasten stohn, in den Modder ehre Wäscheklammern opbewohrt.

Klammern, de Vadder und he sülm und ok sien Broder fein schnitzt hebbt ut´n Wichel, mit eene Karr in, de dat Tüch op de Lien faßhölt, wenn Modder dat in´n Wind hingt to´n Drögen.
De kunn he doch gaud als Splitterholt nehm´n? He angelt siek den Kasten ut de Eck, und brickt de Klammern Stück för Stück uteenanner, den schütt he ehr all in een grooten Bogen Zeitungspapier, hölt een Rietstecken ünner, und de Krom kümmt bi´t erst Mol in Gang.

"Jungedi, Glück hatt", denkt he. Ober he öberlecht nich, dat Modder nu för de Grootwäsch erstmol keene Klammern mehr hett.

Ohne Strof is de Sak seker nich utgohn …. Den Wäscheklammern ut Wicheln schnitzen mit so´ne schöne Karr in, is een ganz schön mühsame Arbeit.

De Geschicht mit Opa´s Köm
Ok eene Familie mit´n ganze Reg Kinner wer in eene vun de Baracken ünnerkam´n. De Log wer ideal. De Kinner harrn buten veel Platz siek uttoben. Dat Woder för de Wäsch und de Wann kunn man ut de Quell op Echades Koppel hol´n.
Klappte alles wunderbar.

Dat Eenzige wat die ganz so good afftolopen schien, wer dat Problem, de lütten Kinner obends to Bett to bringen.
In de Johrn an den Krieg wern Jung und Old so richtig hitt op Vergnögungen. De Kapelle "Froh und Heiter" speel ok to geern to´n Danzen op.
Und de Öllern oder de grooten Jungs und Deerns kunn´ kum op eene Veranstaltung verzichten.

Nu müßt ober bei düsse Familie ümmer eener vun de grooten Geschwister dorto verdünnert warrn, obends bi de Lütten in´t Huus to bliewen.
Süh, und Not mokt erfinderisch. De jonge Deern, de to Huus bliewen schull, harr siek doch mit so´n smucken jungen Mann veraffredet. Wenn se nich hinkäm, neum he bestimmt ´ne anner Deern, de Utwohl wer jo groot. Man hör richtig her Hart pückern. Dat müß Â´ne Lösung geben!
Dor füll ehr in, wat se bi Opa beobachtet harr. Ümmer wenn he in´n Holtstall verswunn´ west wer, wo een Buddel vun sien eegenbrennten Köm achtern Holtstoot stünn, seht he nuher in so´n ohlen Sessel und snarcht.
Schull se, oder schull se nich? Doch, se müß …

Twee vun de Geschwister harrn so´n Nuckeldang. Se hol Opas Buddel, düker de Ecken vun de Deuker dor in, und pack de Lütten dormit to Bett.

Mensch, dat funkschoneer! De Beiden wern rasch deep inschlopen. Nu de Groten. Erst vertell se ehr noch´n Geschicht und denn geew dat eenen Schlaftrunk. Woder mit Zucker und Opas Schnaps dorto. Duer gor nich kang, dor wer Roh in´t Huus.
Nu rasch den niegen selbstneihten Rock öber, de Hoor noch mol richtig böstn und denn rut ut Fenster, denn dor müßt se ok weller rin. Vadder und Modder dörften vun ehrn Geheimakt jo nix marken.
Ok man good, dat se Opas Kömbuddel noch rasch weller achtern Holtstopel stellt harr.


Geschichte mit dem Swien

"Mehr Freund ant Freeten hett na denn Krieg mal een Swien hatt, hier haben op denn Scheinwerferbarg. Dat hett mi mal eener verteilt."

»Warum iann een Swien mal mehr, mal weniger Freid ant Freien hem, dat verstah ik nie.«

"Nu hörr mal tau, dat will ik di vertelln. Damals wer dat Schnapsbrennen in. Dat dörfnie weten, averdan word liegers. Denn Schnaps wer dat Beste, wat man ton tuschen bruken kunn, op in de Nahwerschop or opn Schwarten Markt."

"Wat hett denn Schnaps mit en Swien to dohn?"

"Nu hör mi tau. De Meische, dat wat över blifil biet Schnapsbrennen, wör op den Affallhupen in Garden kippt."

"Ja son Affallhupen gäv froher in jeden Garden, dör wör nie blos Unkrut roppackt, dor kam ok de Mist von Höhner un Kaninken oder ok von een Swien hin."

"Jüss so wer dat. Nu harr en Familie, de hier haben wohn, ok een Swien un dat wer ut sien lütten Stall utbüxt. Siggerli harr dat all bald den Geruch von de Meische in de Näs un krappel op den Affallhupen rop. Dat Swien freet von de Meische, ümmer mehr, ümmer mehr un füll den in enen deepen Slap."

"Dor leg dat Tier ja heel weck un fein slapen."

"De Egendümer harr dat Swien nie fünn in Stall un frög denn de Jungs, de dor just Spelten, ob se nie sien Swien söken wörrn un dat weller trüch bringen wörrn."

"Dor hebt de Jungs doch sekerja to seggt, in de Hoffnung dorför beten Lohn to kriegen. Ik kann mir vörstelln, dat se dat Swien bald fün hebt, weil dat seker lut snorchen dö."

"Ja, so wer dat. Over de böse Schinnere fung nu erst an. Se siegen op den Affallhupen, de egentlich en Misthupen wer un sacken ümmer deeper in de Meische rin. Schauh, Strümp, Stebeln un de Büxen, all wör schiedig. Aver dat Swien waak ümmer noch nie op."

"Segerli hebt se noch een Schufkarr holt, wie schulln se dat sünst weller an Ort un Steh bring."

"Ja, mit groot Mögt kregen se dat Swien ut de Meische ruf, op de Schuikarr rop un weller trüch in de lütte Swiensbox."

"Wat hebbt de Jungs dorför kregen? Dat wer ja een richdige Wrackeli."

»Dat hett mi keen een verteilt.«

"Aver nu segg mi blos mal, wie hebt de Jungs sik von de Schiet sauber maken kunnt? Duschen un Bawanns gäv jo noch nich hier haben un wohl ok noch keen Waschmaschin."

"Dat wer gami so enfach; denn nie mal de Pump gäv mehr Water äs man bobeb rin göht. De Jungs leepen na Schades Wisch; denn dor leep een Quell Dag un Nacht. Der wer ok een lütten Blechkanister anbröcht, dormit man ümmer glieks Water kreeg."

"O, ik kann mi vörstell, wi de Jungs mit dat Waschen frech kämen. Uttrecken, waschen un denn op denn Tun ton drögen ophingen un ersmal barfoot loopen."

"Ja, so hept se dat wohl makt. Dat Weiler wer gaud un de Sünn kunn ehr good helpen.Aver nu stell di vor, een von de Jungs kiegt de Höchte rop un süht den Jagdpächter op sien Jagdhusdack sitten un dör sien Fernglas kiegen."

»Ja, he mutt ja ok weten wo de Kaninken, Rehe un de Rehbock sick opholt.«

"So wird aber nie. De goode Mann kiegt in de anner Richtung, na Moldörp dal, weil he Freid daran hett nakelte Fruns to sehn."

"De Fruns un Derns, de sik ton Baden ut un antreckt, markt dat ja nich. Un wie schüllt se dat anners maken? Ümtreck-Kabinen givt dat nie, Bademäntel un grote Badedöker wirn knapp."

"Ja, un Fernsehn gävt ok noch nie. Ik kann den Kerl verstahn."


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