(Archiv WSD 17-4-02) Podiumsdiskussion »Neue Technologien im ländlichen Raum – eine Perspektive für Schleswig Holstein?« (17.4.02)

01. Jun 2003, 10:10 PM (Frank Hunck) ♥ Politik, Selent, Wirtschaft · Translation: en fr

Im Rahmen des Wirtschafts- und Kulturfestivals »vision 2002 « der IHKs Kiel und Flensburg fand am 17.4.02 eine Podiumsdiskussion zum Thema »Neue Technologien im ländlichen Raum – eine Perspektive für Schleswig Holstein?« auf der Blomenburg statt. Ca. 80 Gäste aus Wirtschaft und Politik lauschten der Diskussion der Podiumsteilnehmer…

- Prof. Dr. Reinhard Demuth, Rektor der CAU Kiel (www.uni-kiel.de)
- Prof. Dr. Walter Reimers, Rektor der FH Kiel (www.fh-kiel.de)
- Lutz Koopmann, Sprecher der Investitionsbank Schleswig-Hostein
(www.ibank-sh.de)
- Dr. Michael Lübbehusen, Geschäftsführer der MAZ level one, Hamburg Harburg (maz-levelone.de)
- Finn Duggen, Geschäftsführer der Blomenburg GmbH (www.blomenburg.com)

Kurze Zusammenfassung der Statements der Referenten:

Prof. Dr. Demuth:
Neue Technologien (NT) sind – neue Informationstechnologien (IT) und – Molekularbiologie. Diese bedingen sich gegenseitig, ohne die Entwicklung in der IT wäre Entschlüsselung des menschlichen Genoms noch Utopie.
Im Gegensatz zur old economy zeichnet sich die NT durch eine hohe Innovationsrate (wichtig: Nähe zu Forschung und Entwicklung) und durch hohen internationalen Konkurrenzkampf aus. Man muss hier in jeder Hinsicht immer auf dem Stand der Dinge sein.

Problem: Grundlagenforschung vs. Vermarktung. Zum Glück ist in Deutschland, wenn ein Wissenschaftler etwas erfindet, dieser Eigentümer, nicht seine Hochschule (also anders als in der USA, wo die Universitäten Patente halten). Betriebswirtschaftliche Kenntnisse zur Vermarktung der Erfindung besitzen jedoch die wenigsten Wissenschaftler.

Prof. Dr. Reimers:
beschäftigte sich vor 20 Jahren mit regionalem Branchenwachstum in der EU. Damals bestimmten die Agglomerationsvorteile stark das Wachstum bestimmter Regionen, d.h., städtische Regionen konnten sich entwickeln, ländliche hatten keine Chance. Heute ist Wirtschaftswachstum vor allem ausserhalb städtischer Regionen spürbar.

Erfolgsfaktoren für Technologiezentren:

- fachliche / emotionelle Kompetenz der Zentrenleitung
- gutes Mix an vertretenen Branchen (Ergänzung, Anregung)
- innovatives Gründerpotential im Umfeld notwendig (Kiel weist 11% Studierende unter seinen Einwohnern auf)
- geringe Distanz zur Forschungseinrichtung (von der FH Kiel Dietrichsdorf ist man genauso schnell in Selent wie im KITZ; dort sind 30% der Gründer FH-Absolventen!).
- Attraktivität des Umfeldes (Arbeiten / Wohnen)
- Freizeit- und Kulturangebot (gegebenenfalls noch zu entwickeln).

In Deutschland gibt es zur Zeit zuwenig Gründungswillige (wir befinden uns laut einer OECD-Studie im letzten Viertel). Die FH Kiel bietet seit kurzem einen Studiengang »Existenzgründung« an.

Herr Koopmann:
Die Investitionsbank S-H steht sowohl als Unterstützung der jeweiligen Hausbanken Gründern zur Seite, als auch als Gründungsberater bzw. durch spezifische Förderprogramme für Neugründungen.

Dr. Lübbehusen:
maz levelone stellt u.a. sog. »seed capital« für start-ups zur Verfügung und betreut Existenzgründungen aus der Wissenschaft heraus.
Ansätze zum Strukturwandel findet man zB in anderen Ländern wie zB den USA, Finnland oder Israel (aus unterschiedlichen Gründen). Es lassen sich drei Phasen unterscheiden:

Phase 1: Zusammenarbeit mit IT-source (Universität, Grossforschungseinrichtungen, Fachhochschulen). Wichtig ist der Aufbau einer Kernkompetenz (inhaltlich) und Abgrenzung zu benachbarten konkurrierenden Wirtschaftsräumen (hier insbesondere Hamburg).

Phase 2: Existenzgründungen. Diese Prozesse dauern lange (10 Jahre oder mehr), bis sich sichtbare Erfolge (z.B. in Form von Arbeitsplätzen) zeigen. Rat an die Wissenschaft und Politik, die universitären Fachbereiche nicht zu stark finanziell zu beschneiden.

Phase 3: Ansiedlung neuer Betriebe durch die Sogwirkung eines attraktiven Umfeldes, das im Laufe der Zeit um das Gründerzentrumn herum gewachsen ist.

Der Markt für seed capital ist in den letzten Jahren sehr eng geworden (Folge der Entwicklung am neuen Markt). Ein weiteres Hemmnis ist die Einführung von Firmenratings durch die Banken (Stichwort »Basel2″). Startkapital ist Risikokapital und deshalb teurer zu erwerben.

Herr Duggen:
Selent sowohl urban (Kiel nicht weit entfernt) wie auch ländlich, »klasse location«. Venturepark Blomenburg wird neue Wege gehen, um Attraktivität für Gründer zu bieten. Sie gehen selbst direkt an die Universität bzw Fachhochschule, um dort nach vermarktungsfähigen Ideen zu suchen bzw. um vor Ort auf die Möglichkeiten der Unternehmensgründung aufmerksam zu machen. Dann können sie gezielter Wege aufzeigen, wie diese marktreif gemacht werden können (vgl. Berichte vom 19. 02. 01 hier und vom 11. 10. 01 auf den Seiten des WVSS).

———–

Fragen aus dem Publikum:

Wie können die Erfolgsaussichten einer Geschäftsidee überhaupt gemessen / bestimmt werden?

Dr. Lübbehusen nannte als wichtigste Punkte die Erfahrung, die mensch über die Zeit gewinnt, um sowohl die Projekte wie auch ihre Akteure einschätzen zu können. Viele Entscheidungen werden auch aus dem Bauch heraus getroffen, wenn er ein gutes Gefühl bei etwas hat. MAZ levelone unterstützt nur Projekte, die thematisch zu ihnen passen und die die richtige Grösse aufweisen, um lebensfähig zu sein. Herr Duggen meinte noch, dass es wichtig ist, sich für Vorgespräche viel Zeit zu lassen, damit mensch nicht sinnvolle Projekte ablehnt, nur weil sie am Anfang zu verrückt klingen.

Voraussetzungen für Gründer sind nach Dr. Lübbehusen, dass sie auf ihrem Gebiet absolute Experten sind, die Bereitschaft zu lernen, der Glaube an sich und ihre Idee sowie die Bereitschaft, mit anderen zu teilen.

Zeitplan der Realisierung Venture-Park Blomenburg?
Herr Duggen meinte, dass für den Kernbereich (B-Plan 10 »Blomenburg«) im Spätsommer 2002 die Erschliessungsreife gegeben sein sollte. Die Bauphase wird sich dann über ca. 2 Jahre erstrecken, sodass mit der Eröffnung des Ventureparks frühestens im Herbst 2004 zu rechnen ist.

Unabhängig davon hat die Suche nach Gründungswilligen schon begonnen. Die ersten Schritte könnten auch schon im sogenannten Kavaliershaus gemacht werden. Zum Zeitpunkt der Eröffnung des Venture-Parks rechnet Duggen mit einer Auslastung von 70 bis 80 %, was über 100 Arbeitsplätze bedeuten könnte.
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