Blomenburg: Vortrag über erfolgreiche Ausgründungen
30. Aug 2006, 7:11 PM (Frank Hunck) ♥ Selent, Wirtschaft
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Genauer: »Erfolgreiche Ausgründungsbeispiele aus der Schleswig-Holsteinischen Hochschullandschaft«, so lautete der Titel der Veranstaltung, an der ich heute teilnehmen wollte. Mich interessierte vor allem, in welchen Bereichen Ausgründungen passieren und ob sie eng mit der Hochschullandschaft verknüpft sind (d.h., aus dem Wissenschafts- oder Forschungsbereich heraus).
Als ich im Auto saß, goß es wie aus Strömen, Schirm hatte ich keinen dabei. Deshalb fuhr ich auf den neuen Parkplatz unterhalb des neuen Technologiezentrums, und suchte meinen Weg. Die Website hatte den Veranstaltungsort nicht hergegeben, und da dachte ich zuerst ans Foyer. Aber alles weiter im Bau, überall hörte mensch Handwerker, aber kein Vortrag.
Auf der Brücke traf ich eine Ingenieurin, die mir sagte, dass ich im Verteilerbau links sollte, dann Treppen runter und rauf. Kavaliershaus? Mal versuchen. Nein, alles ruhig. In der Burg verwies mich ein Schreiner dann auf den Kaminsaal.
Richtig, da standen einige Menschen, die nach Vortrag aussahen, Beamer und Laptops waren aufgebaut. Also war ich hier richtig.
Insgesamt stellten sich heute nachmittag drei Firmen vor, die in den letzten sechs Jahren gegründet wurden:
- Jens Grau, der mit zwei Kommilitonen – sie alle haben den Bachelor of Multimedia Production an der FH Kiel und den Master of MultimediaKompetenz am MMC gemacht – die Firmen bdrops werbeagentur und bdrops neue medien gegründet haben;
- Dr. Frank Bock mit seiner Firma Coronic (Sicherheitslösungen im Internet für Banken und Versicherungen)
- Dr. Inez Linke, die mit anderen Meeresbiologen die Firma O‹Well betreibt, Wellnessprodukte aus Meeresalgen
Als viertes sprachen John. D. Zatkos mit seiner Frau über die Idee und die erste Umsetzung ihres Familienunternehmens mediahof, das eins der ersten im Venturepark Blomenburg sein wird.
Bei den internetaffinen Vorträgen stellte ich fest, dass es doch gut ist, nahe dem Geschehen (wie zB an einer FH) zu sein. Die bdrops stellten sich schon früh auf die Erstellung von barrierefreien Internetseiten ein, ohne die heute im Bereich der öffentlichen Hand, aber auch bei grossen Firmen, nichts mehr zu holen ist. Damals wurde es vor allem in den USA diskutiert (z.B. Section 508), ehe es bei uns geläufig war.
Ergänzung 31. August 2006:
zu bdrops: Der Aufbau erfolgte parallel zum Studium der drei Gesellschafter, so dass am Anfang kein voller Einsatz möglich / notwendig war. Die Firmen sind vollständig eigenfinanziert, was in diesem Bereich gut möglich ist, denn es sind nur wenige Anfangsinvestitionen notwendig (Rechner, Drucker, Software meist schon vorhanden; Studentenlizenzen werden peu à peu in Vollversionen aufgewertet). Aus vorherigen Arbeitszusammenhängen wurden Kontakte zu Kunden übernommen; sie haben heute einen festen Stamm an Grosskunden rund ums Auto, für die sie sämtliche grafische Arbeiten bis hin zur Eventplanung und -durchführung machen. Viele Neukunden kommen nun auf Grund der Mund-zu-Mund-Propaganda.
In ihrem Arbeitsbereich ist die Konkurrenz gross (rund 400 Werbe- und Grafikagenturen gibt es in SH), viele davon sind jedoch »Wohnzimmerprojekte«, kleine Einmann-Betriebe, die vom heimischen Arbeitsplatz aus operieren (kommt mir irgendwie bekannt vor
).
zu Coronic: Dr. Bock brachte seine ganz andere Geschichte packend rüber, es war / ist auch ein spannendes Produkt. Kurz umrissen: Versicherungen und Banken können durch den Einsatz von Online-Buchungen, Schadensmeldungen etc. ordentlich Geld einsparen, weil viel Arbeitszeit vor Ort eingespart wird und schnellere Reaktionszeiten möglich sind. Gut, möchte mensch meinen, wenn denn die Sache mit der Online-Sicherheit nicht wäre.
Viele Kunden stehen Online-Geschäften reserviert gegenüber, vor allem, wenn es um (bares) Geld geht. Coronic hat nun eine Software entwickelt, die auf den Servern ihrer Kunden (Banken, Versicherungen) läuft und die PCs von deren Privat- und Geschäftskunden auf Internetsicherheit durchleuchtet. Diese können also online nachprüfen lassen, wie es mit den Sicherheitseinstellungen ihrer Rechner bestellt ist, und erhalten im Zweifelsfalle einfach verständliche, bebilderte Anleitungen, wie sie selbst die Sicherheit optimieren können.
2002 wurde die Firma mit dieser guten Geschäftsidee gegründet. Frank Bock wollte von seiner Hausbank einen Kredit von 750 T€, nur, kurz vorher war die Internetblase geplatzt… Und so gabs von der Bank 50 T€, Eigenkapital 100 T€ und 200 T€ von VC-Gebern (Land SH, Stadt HH).
Zwischen 2002 und heute wurden Kunden akquiriert und die Software entwickelt, die heute (ab 2004) bei vielen Banken eingesetzt wird. Es kamen weitere Produkte in diesem Bereich dazu, und zweites Standbein sind Dienstleistungen rund um die Softwareentwicklung (JAVA; z.B. für EADS, T-Com) und allgemeine Beratung in diesem Sektor. Die Firma hat heute 10 Mitarbeiter, davon 2 freie, und sitzt im KiTZ.
Kurz über seine Erfahrungen nach 3 Jahren:
- Geschäftsidee beruht oft auf Glück und Zufall; die Idee muss aber vermarktbar sein;
- BusinessPlan: ja, aber,… er ändert sich ständig; dran denken: Bankberater ist alles andere als ein Techniker;
- Unternehmensform: hängt weniger von dem ab, was uns Anwälte oder Steuerberater sagen, sondern eher von den Erwartungen der Kunden;
- BWL: GuV und BWA reichen für die ersten paar Jahre aus, aber wichtig ist die Kostenkalkulation für jedes Produkt (Überraschungen sind garantiert!);
- die Chemie zum Kunden machen 50-80% des Erfolges aus;
- schnaken können ist wichtig, für Naturwissenschaftler gilt deshalb im Zweifelsfalle: schnaken lassen (Vertriebler muss von Anfang an dabei sein);
- ehrlich, fair & korrekt kommt mensch am weitesten!
zu O‹Well: Dies ist eine reine »wissenschaftliche« Ausgründung von Meeresbiologen, die bei der Mutterfirma CRM (Coastal Research & Management) arbeiteten, die vor 12 Jahren aus dem IfM, dem Institut für Meereskunde heraus gegründet wurde. Irgendwann, bei einem Glas Wein, schwärmten einige davon, nicht nur Gutachten schreiben (CRM erstellt Umweltverträglichkeitsuntersuchungen etc.), sondern doch eines Tages was Praktisches mit ihren Fähigkeiten zu machen.
Daraus entwickelte sich die Idee, Meeresprodukte zu züchten und aus ihnen marktfähige Produkte zu entwickeln.
Bei Suhrendorf gibt es nun eine Algenfarm, die erste an der deutschen Ostseeküste. Dort wird die Meeresalge Laminaria saccharina gezüchtet, aus der Algenextrakt gewonnen wird. Absatzmärkte gibt es traditionell in den kosmetischen und medizinischen Bereich (dort wurden bislang Wildentnahmen genutzt, die natürlichen Bestände schrumpfen aber zusehens). Im vergangenen Jahr zeigte sich, dass die Inhaltsstoffe auch bei Neurodermitis heilende Wirkungen aufweisen, so daß sich hier ein neuer Bereich auftut.
Dieses Jahr wurden Versuche mit der Fermentierung des Konzentrates unternommen, nun gibt es einen Algenwein (riecht wie Sherry, verkostet habe ich ihn nicht); geplant ist, jedes Jahr ein neues Produkt auf den Markt zu bringen.
Die Firmen haben zur Zeit 12 feste und 3 bis 4 freie Mitarbeiter, sind ebenfalls frei finanziert und haben bislang alles aus eigener Kraft geschafft. Frau Linke meinte jedoch, sie würde heute dazu raten, von Anfang an einen Vertriebler einzustellen, da das Klinkenputzen hart für Naturwissenschaftler sei. Bei ihrer Naturkosmetikserie »Baltic Care« haben sie mit dem Ostseebad Damp einen grossen Partner von Anfang an mit dabeigehabt, was den Anschub der Produktreihe vereinfachte.
Zur Zeit forschen sie über die Collagen-Gewinnung aus Quallen. Collagen wird bei Knorpeldefekten in der Medizin eingesetzt, und es scheint, dass das Quallenkollagen verträglicher ist als das bislang verwendete aus Rinderknochen.
zu mediahof: John und Silvia Zatkos stellten auf eine sehr persönliche Art ihr Familienunternehmen vor, das zum 1. Januar 2007 im VP BB an den Start gehen wird. Ihr Motto ist »:nordlichter sehen meer«, sie wollen für die Gemeinden und Unternehmen im Umland alle Dienstleistungen rund um digitale Medien anbieten, für Unternehmensgründer den Bereich CI/CD (corporate identity / corporate design), angefangen von der Visitenkarte übers Briefpapier, Webauftritt etc. pp. Sie werden auf das CMS Joomla! setzen, das in den vergangenen Monaten in Deutschland stark an Boden gewonnen hat.
John hat auf seinem Lebensweg schon viel unternommen, hat jetzt seinen Bac. Multimedia Production und wird den technischen Part bearbeiten; seine Frau Silvia als gelernte Industriekauffrau ist für BWL und die Akquise zuständig. Und — die beiden haben zwei Kinder, die ebenfalls ihre Rechte haben. Deshalb auch Familienunternehmen.
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Die Vortragsreihe, die seit Montag läuft, wird unterschiedlich angenommen. Herr Reimer vom Venturepark Blomenburg sagte, daß zwischen sechs und dreissig Gäste die Vorträge und Workshops besucht hätten.








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