Da ist jemand mutig…

11. Sep 2006, 4:33 PM (Frank Hunck) ♥ Gesellschaft, Internet · Translation: en fr

…und testet die Grenzen zwischen virtuellem und wirklichem Leben. Jason Fortuny, ein amerikanischer Blogger, veranstaltete eine kleine soziologische Studie und veröffentlichte anschließend die Ergebnisse und sein verwendetes Material.

Forschungsansatz: Er veröffentlichte mehrere Kontaktanzeigen auf der Website craigslist.com (größter Kleinanzeigen-Anbieter in Amerika), natürlich unter falschen Namen, mit unterschiedlichem Zielpublikum (BDSM, bi, …).

Seine Ergebnisse wertete er statistisch aus; viele Zuschriften waren mit persönlichen Daten gespickt (Fotos (auch von körperlichen Details), berufliche eMail-Adressen, private Telefonnummern usw.).

Und dann – veröffentlichte er auch das Grundlagenmaterial — eMails, Fotos etc. pp.

Bericht auf Waxy.org, Suche bei Technorati, Bericht auf wired
[via Robert Basic]

Ob dieses An-den-Pranger-stellen eine grundamerikanische Eigenschaft ist? Die veröffentlichten Daten sind jedenfalls bestens dazu geeignet, Ehen zu zerstören und Leute um ihren Job zu bringen. Ich finde solch ein Verhalten erschreckend und naiv.

Ergänzung: In der vergangenen Woche gab es eine ganze Reihe von Verletzungen der Privatsphäre im Netz: Opinity Weblog zählt auf:

  1. AOL: Schon vor einigen Wochen veröffentlichte AOL eine Fundgrube an Daten: 500.000 Suchbegriffe, die Benutzer während 3 Monaten auf ihrer Suchmaschine eingaben. Sie wollten damit Ermittlern halfen, in dem sie »anonymisierte« Daten freigaben, aber Experten und die Öffentlichkeit waren schockiert, wie einfach man trotzdem herausfinden konnte, wer nach was gesucht hatte. Darüber hinaus: »AOL’s anonymizing process didn‹t include removing names, addresses and Social Security numbers. Although the company has since apologized and taken the data down, there are at least half-a-dozen mirrors still out there for all to browse [Wired News]«.
    Apropos, in dem oben zitierten Artikel zählt wired.com die 10 deftigsten Verletzungen der Privatsphäre auf…
  2. »Facebook Anti-Privacy Features«:Facebook ist eine social-networking-Site mit über 9 Millionen registrierten Unsern; sie haben nach eihenen Angaben den siebthöchsten traffic im Web. Hier wurde als neues Feature eingeführt, ein »new ›News Feed‹ on every page that tracks recent changes, activities, and comments made by everyone the user is connected to«, dass heisst, jede Aktivität eines Benutzers war nach außen hin sichtbar. Die Company ruderte nach öffentlichen Angriffen zurück, und der Besitzer entschuldigte sich in einem offenen Brief.
  3. Second Life Hacked: Bei der Virtual Reality Site wurde eine Datenbank mit Benutzerangaben kompromittiert, »which potentially exposed customer data including the unencrypted names and addresses, and the encrypted passwords and encrypted payment information of all Second Life users. Unencrypted credit card information, which is stored on a separate database, was not compromised«. Die Kreditkarteninformationen wurden jedoch nicht ausgespäht, da sie in einer anderen Datenbank liegen.
  4. The German Police Fight Anonymity: Die deutsche Polizei hat sogenannte Tor-Server beschlagnahmt. Diese dienen dazu, Internetzugriffe von Benutzern zu anonymisieren, sodass keine Rückverfolgung ihrer Zugriffe möglich ist.
    Ergänzung: Die Beschlagnahmung ging nicht gegen Tor, sondern dient einer Strafverfolgung gegen Kinderpornografie.

Zum Ursprungsthema zurück – die Website, auf der er seinen »Bericht« veröffentlicht hat (ein Wiki-System, encylopedia dramatica) erlaubt kein Editieren mehr, nur noch wenige Photos werden übertragen, denn… Traffic encyclopediadramatica.com
der Webserver bricht langsam zusammen, weil sich die Zugriffszahlen verfünfzehntfach haben.

18. September 2006: Und es gibt schon Nachahmer — unter craigslist-perverts.org werden nach dem selben Muster Männer blossgestellt, die auf ein Anzeigen-Fake geantwortet haben [via waxy.org]

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