Selent – kein Platz für Kinder und Jugendliche?

29. Okt 2006, 9:57 PM (Frank Hunck) ♥ Jugendarbeit, Privates, Selent, Utn Dörp · Translation: en fr

Dieser Gedanke drängt sich mir auf, wenn ich das aktuelle Geschehen rund um die Bebauung im Blomenburg-Park betrachte. Dort sollen im Endausbau ca. 300 neue Wohneinheiten entstehen, und es war ein Spielplatz geplant, der nun im Zuge der zur Zeit diskutierten B-Plan-Änderung ersatzlos gestrichen werden soll.

Von Seiten des Investors kann ichs nachvollziehen – Arrondierung des entsprechenden Quartiers und vielleicht Gewinnmaximierung durch einen zusätzlichen Bauplatz in prominenter Lage. Dass die Gemeindevertreter dazu aber noch keine Stellung bezogen haben – quer durch alle Fraktionen wurde es bislang »zur Kenntnis genommen«, wie mensch so schön sagt – ist aber schon erschreckend.

Aber es passt ins Bild – wir haben derzeit einen einzigen Spielplatz, der noch dazu am Rande von Selent liegt. Vor einigen Jahrzehnten war bei der Erschliessung eines neuen Baugebiets ein Spielplatz geplant, aber man ließ sich mit der Umsetzung so lange Zeit, dass seine Errichtung obsolet wurde und man die Fläche an einen Grundstücksnachbar verkaufte.

Als ich auf der öffentlichen Bürgeranhörung im Juni dies angesprochen habe, stellte der Eigentümer des Blomenburg-Geländes, Dietmar Hartmann, es richtig — geplant seien mehrere Angebote für Kinder und Jugendliche im Park-Gelände, darunter ein »Pfad der Sinne« nach Kückinghaus Kükelhaus.

Naja, geplant wurde auf der Burg schon einiges…1 Und wie ich zwischenzeitlich von einer Mitarbeiterin vernehmen durfte, ist die derzeitige Sprachregelung, »der ganze Park ist ein Pfad der Sinne«.
Edit 23.11.06: Ich hatte gestern nachmittag ein langes und intensives Gespräch mit dem Investor, Dietmar Hartmann, und musste feststellen, dass ich die Äusserung seiner Mitarbeiterin falsch ausgelegt hatte.
Er ist fest entschlossen, im Park- und Waldgelände Erlebnispunkte für Kinder und Jugendliche einzurichten, an denen sie unsere Umwelt und die uns umgebende Natur hautnah erleben, be«greifen« können, als Gegenpol zu der reizüberfluteten Bildschirm-Kost, mit der Kinder heutezutage aufwachsen.

Nun, es geht mir nicht darum, den Investor an den Pranger zu stellen2, sondern eher die Gemeinde. Wer beschliesst einen Bebauungsplan, wer legt fest, was gemacht werden soll und was nicht? Das ist nicht der Investor, das ist immer noch das Selbstverwaltungsorgan aller Bürger, die Gemeindevertretung, in Abwägung aller Interessen wohlgemerkt. Auch die unserer Kinder…

Und die Diskussion um den »Nachwuchs« ist nichts Neues in Selent. 2003 gab es einigen Aufruhr um ein anonymes Schreiben seitens selenter Jugendlicher: siehe hier, hier und hier. Damals hiess es, ja, wenn das Geld nicht wäre…

Das scheint, zumindest jetzt, nicht das originäre Problem zu sein… Und wurden die Kinder und Jugendlichen zur Änderung der Planung befragt, wie es das Landesrecht als Möglichkeit aufzeigt?

Den ganzen Themenkomplex will ich im Laufe der nächsten Wochen zur Sprache bringen. Am 1.11.06 wird über den Auslegungsbeschluß der Bebauungsplan-Änderungen im Bauausschuß der Gemeinde beraten, anschliessend kann sich jedermensch an der Diskussion durch Einwendungen beteiligen.

Und noch was, aus ganz persönlicher Sicht. Nein, ich habe keine Kinder. Aber ich will mich für sie einsetzen, sie sind — in vieler Hinsicht — unsere Zukunft. In der aktuellen Presse ist viel über die Mißachtung der elementarsten Kinderrechte zu lesen; dass die Kinderrechte in die Verfassung aufgenommen werden sollten (warum stehen sie da noch nicht drin?). Vor diesem Hintergrund gesehen, sollte doch mein Einsatz klar sein, oder?

Vor ein paar Tagen stand ich am schwarzen Brett von Martensrade, unserer Nachbargemeinde, und durfte folgendes sehen:

martensrade061028

Von sechs Schreiben betrafen drei den Nachwuchs — zwei Anschreiben der Jugendgruppe Martensrade und eine Einladung zur Jugendversammlung der Gemeinde(!). Sollte es Selent nicht auch mal wieder versuchen? Die gesetzlichen Grundlagen für die Beteiligung von Jugendlichen an der Gemeindepolitik finden sich in den GOs, den Gemeindeordnungen. Der bundesweiter Stand kann hier eingesehen werden.


  1. Ich halte mehr von verlässlichen, schriftlichen Zusagen. [back]
  2. obwohl: Es würde der Blomenburg GmbH in mehrfacher Hinsicht gut zu Gesichte stehen: Familienfreundliches Bauen: Welches Baugebiet hat solch einen tollen (geplanten) Spielplatz vorzuweisen… das kann heutezutage schon ein Alleinstellungsmerkmal sein. Kommunikationsmöglichkeit: Spielplätze sind besonders wichtig für kleinere Kinder, und sind damit eine Kommunikationsmöglichkeit für Eltern ausserhalb des manchmal unüberwindbaren privaten Raumes. Landschaftsbild: Ein Kinderspielplatz kann eine Überfrachtung der jeweiligen Wohngebiete mit allfälligem Spielmobiliar in jedem Vorgarten verhindern Dieser Punkt wurde durch mein Gespräch mit Herrn Hartmann am 23.11. ausgeräumt! [back]
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8 Kommentare abgegeben zu “Selent – kein Platz für Kinder und Jugendliche?”

  1. Silke Berner schrieb:

    Wer glaubt denn hier, dass es dem Investor um die Kinder geht? Der Bericht in der KN von heute sagt doch alles…
    Ich kann das, do glaube ich, ganz gut beurteilen. Ich war bei dem Investor für einige Monate beschäftigt, um die Grundstücke »an den Mann zu bringen«. Eine wahre Aufgabe!

  2. Frank Hunck schrieb:

    Mhm, als kommunalpolitisch aktiver Bürger Selents habe ich nur die Möglichkeit — und die Pflicht — ;-) die Gemeindevertretung in ihrer Entscheidungsfindung zubeeinflussen.

    Wie mensch aus dem oben erwähnten KN-Artikel entnehmen konnte, wurde auf der BUA-Sitzung auch darüber diskutiert, jedoch mit einem negativen Tenor der Mehrheit.

    Es wurden alte Spielplätze »angeführt«, bei deren Errichtung man so lange gewartet hatte, bis der Bedarf nicht mehr bestand.

    Darüber hinaus gestanden einige Gemeindevertreter zu, dass die Unterhaltung des Spielplatzes am Rundweg und am Strand durch die Gemeinde kaum zu leisten sei, und auch aus diesem Grund kein weiterer »gebraucht« werde.

    Naja, halt nicht so sehr eine kinderfreundliche Gemeinde. Aber das ist ja nichts Neues.

    Von mir wird es auf jeden Fall eine Einwendung geben, wenn die B-Pläne irgendwann Anfang nächsten Jahres zur öffentlichen Auslegung kommen.

  3. Silke Berner schrieb:

    …und wenn man dann einen solchen Kommentar schreibt, bekommt man doch glatt einen bösen Anruf vom großen Investor. Hierbei wird mir geraten, was ich in mein Nachtgebet aufnehmen soll. Schließlich habe ich Geld auf der Blomenburg verdient. Unglaublich!

  4. Frank Hunck schrieb:

    Ich muss eingestehen, dass ich eine Äusserung von Seiten der Blomenburg falsch interpretiert habe. Herr Hartmann plant sehr wohl einen Pfad der Sinne, wie er mir gestern erläuterte.

    Ich zieh also alle Äußerungen, die ich zur Blomenburg und seinen Planungen gemacht habe, zurück.

    Die Spitze gegenüber der Gemeindevertretung gilt jedoch weiterhin. Keiner hatte was dagegen, es wurde nie öffentlich angesprochen. Aber was solls…

  5. Silke Berner schrieb:

    Ist der Pfad der Sinne eigentlich fertig?

  6. Frank Hunck schrieb:

    Leider nein. Über vollmundige Ankündigungen ist das Projekt augenscheinlich nicht hinausgekommen, kann natürlich sein, dass intern ein vollständiger Plan vorliegt, wer weiss.

    Die Entwicklung, bzw. in diesen Fällen der Stillstand, hat mich eines Besseren belehrt – mensch sollte den Verlautbarungen des Burgherren nicht allzuviel Vertrauen entgegen bringen.

  7. Silke Berner schrieb:

    Jo, bin auch oft auf die Verlautbarungen reingefallen – welch glücklicher Zustand: Ich brauche das nicht mehr.
    Aber ganz ehrlich: Hatte ich es nicht gewußt im November 2006 (!!!!!)
    Grüße Silke

  8. Frank Hunck schrieb:

    Silke, Du hast mit Deinem Kommentar »Ist der Pfad der Sinne eigentlich fertig?« mich unter Zugzwang gebracht. Der Artikel über die 6 Richtigen lag schon in der Pipeline, in dem auch auf den Spielplatz eingegangen werden sollte…

    Nun ist er draussen…

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