Ende der Unschuld oder Wie kennzeichnen Blogger bezahlte Beiträge?

06. Mrz 2007, 6:20 PM (Frank Hunck) ♥ Blogging · Translation: en fr

Die Diskussion um auf die eine oder andere Weise gesponsorte Blogbeiträge kam im vergangenen Jahr auf (Stichworte Opel-Blogger, Cola-Blog). Nun kommt Sturm auf, der Ton hat sich verschärft (Zitate in zufälliger Reihenfolge). Soweit ich es beurteilen kann, bringt adical – »eine Plattform für Werbung, auf Blogs, organisiert von Bloggern« (und vielleicht noch die Playstation3 auf nerdcore) – das Ganze jetzt zum Kochen.

Ich hab mich bislang wenig um die Diskussion geschert, da ich still und leise aus meinem Selenter Stübchen meine Beiträge schrieb, von Begriffen wie »Authentizität«, »Creditibility«, »PR« oder »Werbung« wenig bekümmert. Ich hatte meine handvoll Leser aus dem Umland, über Google kamen einige hinzu, wobei die meisten sofort wieder sang- und klangkommentarlos verschwanden.

Mir wurde erst im letzten Jahr so richtig klar, dass ich durch meine Bloggerei im Bereich »Journalismus« wildere, in dem ich nicht nur Nachrichten und Vermischtes aus Selent und Umgebung aufgreife, die den Printmedien entweder nicht zu Ohren gekommen oder als zu unwichtig ausgefiltert wurden. Mit der Zeit recherchierte ich den Geschichten hinterher, um auch die andere Seite zu Wort kommen zu lassen.

»Werbung – auf einem Nischenblog, das sich nicht auf wenige Inhalte eingrenzen lässt – Unsinn, ist ja nur ein Privatvergnügen«, dachte ich lange Zeit. Wenn nicht mit der Zeit die eine oder andere Pressemitteilung auch bei mir aufschlüge, und mich dann doch zum Nachdenken brachte.

Für die Printmedien gilt die freiwillige Selbstverpflichtung in Form des sogenannten Pressekodex, in dem die Grundlagen der journalistischen Arbeit, aber auch die Trennung zwischen redaktionellen und werblichen Beiträgen – durch das Wort Anzeige z. B. – festgeschrieben ist (ob sich die Medien dran halten, ist eine andere Frage, s. BildBlog ;-) ).

Weblogs sind da bislang »fein raus«1, es kommt auf den Blogger an, wie genau ers mit der Wahrheit nimmt. Und da liegt auch schon der Hase im Pfeffer: Ich will natürlich gelesen werden, sonst könnte ich es auch auf meinem Webserver daheim veröffentlichen ;-) , also bemühe ich mich, sorgfältig zu schreiben.

Gestern, als ich meinen Beitrag zur Location Blomenburg schrieb, merkte ich irgendwann, dass mir reinste PR aus der FederTastatur floss (»entstanden bislang zwei Neubaugebiete, die landschaftlich reizvoll am Rande des Blomenburg-Waldparks gelegen sind, umgeben von Äckern und Wiesen und von ausgedehnten Feuchtbiotopen«). Das schockte. OK, ich habs dringelassen, aber – bislang habe ich zu dem Projekt einen kritischen Abstand gehalten. Grundsätzlich positiv demgegenüber, aber kritisch. Und nun, nur um meine eigene Veranstaltung zu promoten, diese Töne?

Hoffentlich nur ein Ausrutscher – denn auf diesem Blog will ich keine Werbung, weder bezahlt noch unbezahlt, machen. Die PMs zu Veranstaltungen vom VenturePark packe ich seit Ende letzten Jahres wieder auf die Site des Wirtschaftsvereins.

Dennoch – der Diskussion werde ich in Zukunft mehr folgen…

Weitere Meinungen zu diesem Thema: Schaut bei Anke Gröner, LisaNeun, turi2 oder Tobias. Zum Themenkomplex »Glaubwürdigkeit von Blogs« und »journalistischer Neutralität« noch ein längerer, älterer Artikel auf women at work.


  1. nach dem neuen Telemediengesetzen von 2007 aber auch nicht mehr: »Der neue RStV gilt für alle Telemedien, also grundsätzlich auch für Blogs und Podcasts. Das Gesetz unterscheidet aber zwischen solchen Telemedien, die journalistisch-redaktionell gestaltet sind, und solchen, auf die dies nicht zutrifft. Bestimmte Mediendienste, wie etwa ein journalistisch anmutendes Nachrichtenblog, haben dann den anerkannten journalistischen Grundsätzen zu folgen. Zum Beispiel müssten die Nachrichten vor ihrer Verbreitung auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit vom Anbieter geprüft werden. [Quelle: telepolis]« [back]
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1 Kommentar abgegeben zu “Ende der Unschuld oder Wie kennzeichnen Blogger bezahlte Beiträge?”

  1. Herr Voß schrieb:

    Vielleicht auch ganz interessant:
    Link 1
    Link 2

    Edit: Links gekürzt /fhu

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