Gratulation an die Kieler Nachrichten – Relaunch von kn-online gelungen!

Letzte Woche habe ich vernommen, dass sich die Zeiten des unübersichtlichen und unvollkommenen Online-Angebots der Kieler Nachrichten

KN Online bis 19. Oktober 2008

bald zu Ende gehen würden – nun sollte ein neues Layout her.

Das war schon lange überfällig, denn einerseits zeichnete sich der Auftritt durch einen unübersichtlichen Link-Wald aus, der die wenigen, nicht gerade aktuellen Inhalte schier erschlug. Ein direktes Verlinken war in den meisten Fällen nicht möglich, da sich die entsprechenden Artikel nicht aktuell im Netz befanden und zumeist auch nie freigeschaltet wurden – dann war die klassische Methode angesagt – abschreiben oder abscannen oder abfotografieren, was wirklich nicht mehr state of the artist.

Diese Zeiten sind nun glücklicherweise vorbei: Seit heute erscheint die kn-online in einem neuen, gefälligen Gewand:

kn-online-na-endlich

Chefredakteur Heinemann dazu:

[…]So schnell wie Radio und Fernsehen werden ab heute die wichtigsten Ereignisse aus Schleswig-Holstein, aus der Landeshauptstadt, aus Ihrem Kreis und häufig auch aus Ihrer Gemeinde schon unter KN-online zu lesen sein, und damit meist lange, bevor die Zeitung auf dem Frühstückstisch liegt.

Die Online-Texte sind vielfach speziell für dieses Medium aufbereitet, an die Stelle des einen aus der Zeitung gewohnten Bildes treten Bilderstrecken, bald auch Videos. Sie bleiben nicht in der Rolle des schlichten Konsumenten, sondern können direkt unsere Online-Berichterstattung kommentieren oder über vorbereitete Links ihren Wissensdurst individuell stillen.[…]

Zeitungsleser als schlichte Konsumenten? Was können denn wir Leser dafür, dass sich die KN solange Zeit gelassen hat, sich den Zeitläufte anzupassen? Ein klein bisschen überheblich, denn anderenorts ist dies schon seit Jahren möglich…

Ich bin mal gespannt – das Kommentieren ist eine schöne Funktion, erfordert aber eine ständige Aufmerksamkeint von Online-Redakteuren, denn schnell können sich Schlammschlachten entwickeln, die nur durch einbeherztes Eingreifen einzudämmen sind.

»[…]ab heute die wichtigsten Ereignisse aus Schleswig-Holstein, […] häufig auch aus Ihrer Gemeinde[…]« – Ihr Wort in Gottes Ohr, Herr Heinemann. In den letzten Jahren zeichnete sich die Berichterstattung der Kieler Nachrichten vor Ort leider dadurch aus, dass es zum Privatvergnügen der Lokalberichterstatter wurde, ob sie an Gemeindevertretungs- oder Ausschuß-Sitzungen teilnehmen, von Verbandsversammlungen oder Vereinsfesten berichten – der Zentralredaktion genügt es offensichtlich, wenn telefonisch nachrecherchiert wird. Klar, keine Frage – Kosten reduzieren. Andererseits bleibt dann aber nicht mehr viel von gatekeeper und unabhängiger Presse – denn die Information ist dann nicht mehr aus erster Hand.

Ansonsten aber – endlich kann mensch die neuen Nachrichten im RSS-Reader oder Handy lesen, und – wie gesagt – das Zitieren wird einfacher. Und das beste von allem – die Redakteure geben ihre Texte anscheinend direkt ins System ein, sozusagen Live-Berichterstattung – eigentlich nichts Ungewöhnliches, ich selbst mache, wenn ich Netzzugang habe, auch nichts anderes anderes. Nur, von den KN habe ich es halt nicht erwartet ;-)

Das Layout folgt einem – anscheinend für Online-Medien – vollkommen neuen Konzept:

Das Konzept ist bisher einmalig für eine deutsche Nachrichtensite. Auf Homepage und Artikelseite verschwindet die klassische rechte Spalte mit Ihren Services, Bannern und Werbeplätzen. Die Inhalte bleiben, aber sie werden ganz neu angeordnet. Das Ergebnis: Der Lesefluss auf den Artikelseiten wird optimiert. Texte, Videos, Bilder und andere zusätzliche Inhalte bekommen mehr Platz. Auf diese Weise wird jedes einzelne Element besser und stärker wahrgenommen – auch auf der Homepage, wo inhaltlich Ähnliches von Anfang an zusammengezogen präsentiert wird.

Mhmja – irgendwie erinnert mich der Seitenaufbau an thematisch gegliederte Blogs, und dort finde ich diesen Aufbau nichts Neues. Aber ich will ja nicht in die bekannt-berüchtigte Kerbe – Bloggern vs. Totholz-Medien – hauen…

Technischer Hintergrund ist, dass bislang die Online-Inhalte von vier schleswig-holsteinischen Zeitungen (Lübecker und Kieler Nachrichten, Segeberger Zeitung und Uetersener Nachrichten) unter dem Dach nordClick gemeinsam auf einem Server produziert wurden, »aber …

… die Zeiten ändern sich. Das Internet wird für jedes einzelne Haus immer wichtiger. Da will man seine Inhalte nicht mehr durch eine externe Truppe von online-Autisten produzieren lassen, sondern möglichst vom hochmodernen Newsroom aus der Zeitungsredaktion heraus, da will man den Kontakt zum Leser und Kunden lieber selbst pflegen als ihn pflegen zu lassen, die Möglichkeiten des Web2.0 eher zum Wohle der Zeitung nutzen als für irgendeine nicht vermarktbare community. (»Trennung« , LN Online Blog)

Reaktionen auch beim Fördeflüsterer Steffen Voß. Und bei Unten am Hafen gibt es eine ausführliche Analyse aus gestalterischer und typografischer Sicht, die ich sehr umfassend finde – so genau habe ich mir das Layout wirklich noch nicht betrachtet.

Nachtrag 21.10.08: Auch das Blog medienlese.com befasste sich gestern mit dem Relaunch der KN:

Für eins bleibt in Kiel und Umgebung hingegen noch viel Platz: Blogger. Der Leiter der Online-Redaktion Manfred Gothsch betont: “Wir wollen eine Nachrichtensite, die auf Qualität setzt und Nachricht nicht mit Meinung verknüpft.” Also gibt es bei den Kieler Nachrichten keine süffisanten Texte im Netz, wie man sie aus der taz oder von Spiegel Online kennt – stattdessen trockene “hard news” in amerikanischer Tradition, bierernst wie in der gedruckten Zeitung. […] So haben die Kieler Nachrichten nur ein paar mehr Fotos und eine Kommentar-Funktion, die Inhalte bleiben gleich – der perfekte Nährboden also für eine lebhafte und meinungsstarke Blogger-Szene.

Was nicht ist, kann sich ja noch entwickeln. Und die Blogger-Szene ist ja auch noch entwicklungsbedürftig, glaube ich. Hier gibts noch viele Nischen zu füllen!

Das habe ich dann ansatzweise nachgeholt und hab mal meinen Layout-Standardtest gemacht – Grafiken ausschalten:

seite-mit-grafik

Oben eine Seite mit Bildern bzw. Grafiken, die interessanten Bereiche sind lila markiert. Und untenstehend sind die Grafiken abgeschaltet:

seite-ohne-grafik

Und da siehts dann gleich nicht mehr so professionell aus – die grafischen Buttons der Hauptnavigation sind leider mit keinen Texten hinterlegt, unglaublich. Aber wer schaltet auch Grafiken aus – Suchmaschinen können ja Bilder interpretieren – oder hab ich da was flaalsch verstanden?

Nachtrag 21.10.08, 17:30 Uhr: Vorhin sprach mich eine befreundete KN-Redakteurin auf meinen Kommentar zu Herrn Heinemanns Editorial an, und wir unterhielten uns kurz über ein paar Fragen, die ich noch hatte. Anscheinend wird es weiter so sein, dass nicht alle Artikel der Printausgabe in die Online-Ausgabe übernommen werden – Stichpunkt: Sich nicht selbst Konkurrenz machen. Das Wichtigste soll aber übernommen werden, und sei es, dass manche Inhalte zusammengefasst und anders dargestellt werden.
Also dann doch nichts mit Verlinken eines jeden Print-Artikels? Ich bin mal gespannt, wie die Umsetzung erfolgen wird.

Kurs-Rallye an den (deutschen) Börsen

Nun gehts wieder gewaltig in die andere Richtung:

»Bis bis zum späten Vormittag schnellten die Aktien der Hypo Real Estate (HRE) um 35,35 Prozent auf 5,59 Euro in die Höhe und machten ihre Verluste der vergangenen Woche von rund 12 Prozent mehr als wett. Sie waren damit der gefragteste Wert im DAX. Commerzbank legten 17,47 Prozent auf 11,435 Euro zu, nachdem sie in der vergangenen Woche etwas mehr als 18 Prozent eingebüßt hatten. Die Titel der Deutschen Bank gewannen 13,58 Prozent auf 35,465 Euro und die der Postbank stiegen um 11,41 Prozent auf 25,20 Euro.« (Quelle: Die Zeit)

Anscheinend wächst das Vertrauen in die Bankenlandschaft wieder…

Nachtrag 18 Uhr: DAX + 11,4%. Wer sagt es denn…

Springer will bei den Kieler Nachrichten aussteigen

Die Kieler Nachrichten (KN) ist die einzige Tageszeitung der Landeshauptstadt Kiel; 24,5% Miteigentümerin ist die Axel Springer AG. Anscheinend will sich Springer von Minderheitenbeteiligungen an norddeutschen Regionalzeitungen trennen.

Was soll das bloss?

Gestern auf dem allsonntäglichen Spaziergang ging ich aus dem Blomenburg-Wald durchs Neubaugebiet, wo ich mich gleich körperlich betätigen durfte:

Nanu? Schachtdeckel

Irgendwelche freundlichenZeitgenossen hatten zwei Schachtdeckel am Straßenrand »auf Kipp« gestellt. Nicht ganz ungefährlich, so was.

Eine Kette Schwarzer Montage…

…und keine Besserung in Sicht?

Mensch traut sich ja kaum mehr, die Zeitung aufzuschlagenOnline-News zu lesen (Totholz-Infos sind zu langsam)! In der vergangenen Woche las ich abends NYTimes, WaPo oder HuffPost, um zu sehen, was auf der anderen Seite des Atlantiks so passiert. Heute kommt es mir so vor, als könnten wir die Vorgänge dort als Vorhersage für hier – mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung – verstehen.

Sagten wir früher, dass die Amerikaner uns Deutschen in vielen Dingen um ein oder zwei Jahre voraus seien, hat sich dieser »Vorsprung« nun leider auf einen oder zwei Monate verkürzt. Keine Zeit mehr, um vom grossen Vorbild zu lernen.

Und was in den letzten Tagen hier in Deutschland passiert, spottet jeder Beschreibung. Demokratie? Regierung? Njet, de nada. Das eilig geschnürte Rettungspaket für die HRE lassen die Banken platzen, die Regierung erfährt es aus der Presse. Die ZEIT dazu:

Wer regiert hier noch in Deutschland? Ist es die Regierung, […] Oder sind es die Spitzen des Finanzkapitals, die in goldenen Zeiten Milliarden-Gewinne kassiert haben, und die nun, wo sie der Krise nicht mehr Herr werden, nach dem lange verachteten Staat rufen?
Allem Anschein nach sind es die Banken und die Finanzmärkte. [Quelle: Die Zeit, »Entmachtet die Banken«]

Wie gesagt, die Amerikaner sind da schon ein bisschen weiter. Manchen Bundesstaaten wie z.B. Kalifornien droht nun die Zahlungsunfähigkeit, da sie nicht mehr an kurzfristige Kredite kommen. Das hiesse dann konkret, dass Staatsangestellte wie Lehrer, Krankenschwestern etc ab November keinen Lohn mehr erhielten. Wo liegt Silicon Valley noch mal?

Lese ich jetzt weiter online über die »schrecklichen« amerikanischen Zustände, oder reicht es aus, hin und wieder den Wirtschaftsteil der Kieler Nachrichten aufzuschlagen? Mal sehen…

Ach ja, weiss nicht mehr, ob ich diesen schönen Artikel von Heribert Prantl in der SZ mal erwähnt habe: »Weltökonomie – die kapitale Läuterung»…

Und noch eine Ergänzung – das Gesetzgebungsverfahren in Amerika weicht ja von unserem, gewohnten, ab. Eine sehr gute Einführung – am Beispiel des 700 Mrd $ bailouts – habe ich auf USA erklärt gefunden. Danke!

WTF – zusätzlich zur »Verstaatlichung« des Bankensektors gleich was Ähnliches für die Automobilbransche – »Ein neuer Ruf nach Staatshilfe: Die europäische Autoindustrie bittet die EU angesichts der andauernden Finanzkrise um ein milliardenschweres Hilfspaket«…

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