St. Servatius: Erntedankfest und Kirchengemeindefest 2007

Gestern war aktive Kultur angesagt – »mein« Kirchenchor sang anlässlich des Erntedankfestes, und bei dem anschliessenden Gemeindefest im Pastoratsgarten trat unsere Trommelgruppe mal wieder auf:

trommeln max-brecht

Bildquelle: Max Brecht

Petrus meinte es nicht ganz gut mit uns, öfters zogen Regenschauer übers Land. Die Pfadfinder hatten ihre Jurte aufgebaut, in der ein Lagerfeuer brannte und für Saunatemperaturen drin sorgte.
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Weblese: Zeitungen, Religion und modern life

Ist die Zukunft der Zeitungen schon vorbei?

Sparen, bis die Leser gehen? ist ein Artikel in der ZEIT betitelt, in dem dargelegt wird, wie die Printmedien durch das Internet in Zugzwang gesetzt werden. Konnten in den früher teilweise sehr hohe Renditen über Zeitschriftenverlage erzielt werden, hat sich das Bild gewandelt. In den vergangenen Jahren verlagerte sich ein grosser Teil der Kleinanzeigen ins Internet (Autoan- und Verkauf, Wohnungen etc.), die Lesegewohnheiten der (jüngeren) Leser wandte sich dem Internet zu.

Es wird nun gespart, auf Teufel komm raus. Und dabei bleibt dann manches Alleinstellungsmerkmal anscheinend auf der Strecke – qualitativ hochwertige Recherche zum Beispiel, die die Stellung der Zeitungen als vierte Macht im Staate rechtfertigt: Aber als wichtigste Geldquelle entdeckte die Branche ihre eigenen Angestellten. So sank die Zahl der fest angestellten Redakteure, und es wurde nachgewiesen, dass die verbliebenen Redakteure mehr organisatorische Arbeit übernommen haben. Die Zeit für Recherche und Schreiben nahm entsprechend deutlich ab. Oder es werden ganze Redaktionen outgesourced, Tochterfirmen gegründet. Die Honorare der freien Journalisten wurden demnach auch stark nach unten angepasst.

Und wo bleibt dann die Qualität? Rund um den G8-Gipfel z. B. durfte der aufmerksame Zeitungsleser feststellen, dass es Usus geworden ist, Agenturmeldungen ungeprüft zu übernehmen, und sich mit der Korrektur dann Tage Zeit zu lassen…

Hier vor Ort kann man diese Entwicklungen auch schon beobachten. Die Journalisten der Lokalpresse sind angehalten, keine Ausschuss- oder Gemeindevertretersitzungen oder Abendveranstaltungen von Vereinen mehr zu besuchen. Telefonische Nachrecherche und vielleicht ein Digitalfoto vom Pressewart des Vereins genügen anscheinend den Ansprüchen der Ressortchefs…

Reicht dies aber für eine unabhängige Darstellung? Denn diese erwarte ich, wenn ich die Zeitung aufschlage. Wer von den Lesern weiss denn um die Interna, wie ein Bericht normalerweise zustande kommt?

Russlands Bevölkerung wird ab 2050 zu 50% aus Muslimen bestehen

Vladimir Dergachyov, ein Berater aus Putins Administration, rät russischen Politikern und Unternehmern, engere Bande zu muslimischen Staaten zu knüpfen:

But, he continued, given the reality that the Russian Federation itself will be a Muslim country within two generations, Russian businesses must get involved with the Muslim world now rather than remain fearful of it. Indeed, he concluded, “the expression ‘Islamic danger’ [must not be] in our lexicon.

Window on Eurasia – Russia to Have Muslim Majority by 2050 [via GVO]

Schatten auf Berlin – Website schon vor 23 Uhr eröffnet ;)

Vorsicht – die Seite lädt extrem langsam, da sehr grafiklastig. Die Dokumentation beruht zum Teil auf den sogenannten Großstadt-Dokumenten:

Von 1904 bis 1908 erschienen Ostwalds Großstadt-Dokumente in monatlich veröffentlichten Serien. dropping knowledge wählte daraus sieben Bände, die überraschende Schnittmengen mit dem Berlin des 21. Jahrhunderts bilden.

Hans Ostwald in seinem Vorwort des ersten Bandes, der 1904 in Grosslichterfelde erschien:

Diese Großstadtdokumente sollen über die eigenartigen Persönlichkeiten und Bevölkerungsschichten, über die sittlichen und sozialen Zustände unserer modernen Großstädte Licht verbreiten. Sie sollen nicht aus Vergangenheiten, aus staubigen Urkunden und alten Nachrichten ihren Inhalt schöpfen. Sie sollen aus dem vollen Leben heraus ihren Extrakt geben. Ja, das soll diese Sammlung vor allen ähnlichen auszeichnen: Nicht über Bücher oder über Kunstwerke soll gesprochen werden – das Leben selbst soll sich mitteilen, soll als Stoff dienen. Und zwar das modernste Leben: das Leben der Großstadt.

Die letzten Jahrzehnte haben diese imponierenden Menschenanhäufungen geschaffen, die wir Großstadt nennen. Selbst wer ihre abscheulichen Mängel erkennt und haßt, wird ihr doch einen gewissen Kulturwert nicht absprechen können. Und wer ihren Kulturwert preist, wird ihre Mängel nicht übersehen dürfen.

[…]

Nun aber kommen so oft Dinge an die Oberfläche, die uns alle erregen, die uns allen vielerlei Fragen auf die Lippen locken. Aber – die Fragen bleiben unbeantwortet.

So, als die kleine Lucie Berlin ermordet wurde. Wer wußte da etwas vom Zuhältertum. Kein ernsthafter Mensch wagt, ernsthaft darüber zu schreiben. Keiner kennt den Zusammenhang und die sozialen Eigentümlichkeiten dieser Lebenserscheinung. Oft kommt sie in aufregenden Prozessen zur Sprache. Dann bringen Zeitungen und Zeitschriften die Berichte. Aber einer Darstellung oder ernsteren Besprechung solcher Kulturerscheinungen verschließen selbst bedeutende Zeitschriften ihre Spalten.

Da wurden in letzter Zeit so oft Prozesse aus dem Leben der Banken und aus dem Geldverkehr verhandelt. Ganz ungeheuerliche Dinge schienen dort vorgegangen zu sein. Aber – Vieles wurde von den Meisten gar nicht verstanden. Wer ist denn heute über die vielen Arten von Banken informiert? Wer, außer den Börsenleuten, versteht etwas von den Vorgängen an der Börse?

Und doch ist kaum ein Gebiet heute so wichtig und ausschlaggebend im Erwerbsleben – und rückwirkend auch auf Sitte und Anschauung, wie der Geldverkehr.« (zitiert aus: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Metropolenforschung).

Sieben Bände der Großstadt-Dokumente können bei Schatten Auf Berlin als PDF heruntergeladen werden.

Elita Wiegand sieht ganz andere Probleme unserer heutigen Großstädte – Billig! Wie die Innenstädte veröden…

Weltweit nur fünf Länder ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen – Bhutan, Nepal, Tibet, Uganda, und eben Deutschland

Wolfgang Horbach auf innovativ-in: Für diese Märkte werden also unsere Geschwindigkeitsboliden vom Mercedes, BMW, Porsche und wie sie alle heissen, gebaut.

Dann braucht es einen nicht zu wundern, dass die deutsche Automobilindustrie keine Sorgen mit Umwelt und alternativen Treibstoffen hat…

Shadows Over Berlin – The Dark Side of Berlin, 100 Years Ago And Now

SchattenAufBerlin»Die Initiative dropping knowledge e.V. dokumentiert in Kooperation mit der Fachhochschule Salzburg die sozialen Probleme anhand historischer Großstadt-Dokumente, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sind.
Das Ergebnis zeigt Berlin in einem neuen Licht, das Schatten wirft und hinter die glamouröse Fassade leuchtet.
Filmemacher, Fotografen und Autoren decken soziale Missstände auf, erleben das schillernde Nachtleben und lassen Benachteiligte und Außenseiter zu Wort kommen.« (SchattenAufBerlin)

Projekt startet am 23. September in Berlin; via Dropping-Knowledge-Newsletter.

Aktion »Kunststimmen gegen Armut«

Am 28.08.2007 kam die zündende Idee:
„Irgendwie sollten wir das Projekt mal starten. Wie wäre es ALLE Künstler anzuschreiben nicht nur hier… Deutschlandweit ! Auch die Hobbykünstler und .. einfach alle! Und jeder investiert sein Werk und das Porto und wir schicken das alle zeitgleich nach Berlin!

Irgendwer MUSS irgendwas machen und anfangen, Mona Schwenker“

Ja, und die Zeit des Machens ist da. Innerhalb weniger Stunden bildete sich am ein Koordinationsteam von Künstlern, die sich teilweise nur über Kunstportale kennen: Thomas Baier, Bettina Gladisch, Mona Schwenker und Anne Radstaak. Die Idee war geboren und wird jetzt mit Euch, mit Ihnen umgesetzt.

Wir werden nicht länger zusehen, wie Deutschland den Bach runter geht. Wir werden nicht länger bewusst oder unbewusst eine Regierung und Wirtschaftsunternehmen unterstützen, welche die Menschen in Armut und Depression führen – mit stupider Resignation bei Hartz IV und O-Euro-Praktikantenstellen.

Mitmachen – hier!

Kulturcafé in der Bokeler Mühle: Fritz Brehmer las Geschichten

Fritz hat einen guten Zuhoerer hinter sich ;)

Autorenlesung in der Bokeler Mühle: Fritz Brehmer las Geschichten rund um das Dietrichsdorfer Original Jens Jensen, der nach dem Krieg in Dietrichsdorf-Neumühlen im Dorfkrug unterkam und ihn später übernommen hatte. Sein Haus war Treffpunkt für seine Freunde, für Künstler, Studenten und Politiker.

Fritz Brehmer, der in Kiel Pädagogik studierte und damals schon mit dem Schreiben begann, hatte Jens Jensen Anfang der Siebziger kennengelernt, als ihn ein Freund aus einem Literaturzirkel mit zu Jensen nahm. Jensens Haus war Treffpunkt für seine Freunde, für Künstler, Studenten und Politiker; es war öfters für kürzer oder länger Zufluchtsort für Freunde, die das Leben gebeutelt hatte und eine sicheren Hafen brauchten.

Um diese Zeit rankten sich die Erzählungen, die kleine Begebenheiten aus dem Freundes- und Nachbarkreis schildern, aus seiner schriftstellerischen Arbeit, die Jensen »Hausaufgaben machen« nannte. Er war Studierender – lernte Japanisch, las lateinische und griechische Literatur, Philosophie, über Kunst und Astrologie. Es waren knappe, schlichte Miniaturen, die Fritz vorlas. Es war deutlich zu spüren, dass diese Begegnungen mit Jensen Fritz Brehmer beflügelt hatten, sich weiter mit dem eigenen Schreiben auseinander zu setzen.

Fritz, der als Sozialpädagoge bei der »Brücke« in Neumünster arbeitet, veröffentlichte 1996 sein erstes Buch, »In allen Lüften hallt es wie Geschrei – Jakob van Hoddis – Fragmente einer Biografie«, das ich gestern abend noch gelesen habe, über den jüdischen Schriftsteller van Hoddis.

Hans Davidsohn (Künstlername Jakob van Hoddis), Autor des vielleicht berühmtesten expressionistischen Gedichts, »Weltende«, hochbegabt, versuchte nach dem Abitur sich in mehreren Studiengängen, die er aber nicht beendete. Seit Kindertagen schrieb er Gedichte, verlegte sich später ganz auf das Schreiben. Schon früh mit Depressionen und schwankenden Gemütslagen behaftet, wechselten sich ab seinem 28. Lebensjahr Klinikaufenthalte mit Unterbringung in privater Betreuung ab. 1942 wurde er zusammen mit anderen Patienten der Jüdischen Heil- und Pflegeanstalt deportiert, von diesem Transport kam niemand mehr lebend zurück.

Das Buch, eine Kollage aus Krankenberichte seiner Klinikaufenthalte, Briefe von ihm, Freunden oder aus seiner Familie, versucht sein Leben nachzuempfinden, seine Genialität und seine Schwächen sichtbar zu machen. Es ist eine Auseinandersetzung mit Hochbegabung, psychischer Anfälligkeit oder Erkrankung, und Psychiatrie.

Mich hat an dem Buch der damalige Umgang mit psychisch Anfälligen erschreckt – von Familienangehörigen in eine Klinik entführt und weggesperrt zu werden. Er wurde vor seinen Freunden fast versteckt, die ihm helfen wollen, die andere Psychiatrieverfahren vorschlugen – damals kam die Psychoanalyse nach Freud gerade in Anwendung.

Das Buch zeichnet die Schwierigkeit innerhalb der Gesellschaft nach, zwischen Hochbegabung und Ver-rückt-heit zu unterscheiden, die Unmöglichkeit, entstehende Spannungen anzunehmen und auszuhalten. Die Ablehnung und Abgrenzung des Nicht-Ganz-Normalen. Ist es heute viel besser geworden?

Blick aus der Bokeler Muehle auf die AuenlandschaftDie Lesung fand vor rund sechzig Zuhörern statt, die sich in der Bokeler Mühle, dem Lebens- und Schaffensmittelpunkt des Bildhauers und Projektemachers Thomas Jaspert eingefunden hatten. Thomas hat die alte Mühle, in der noch wenigen Jahren Getreide für Vieh gemahlen wurde, erworben und umgebaut. Zuvor war sie auch Ausstellungsort für die filigranen Geschöpfe von Kerstin Mempel, eine Station unseres Kunstpfades vom projektEINS.

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