Erdwärme ist nicht immer umsonst zu haben – Beispiel Staufen im Breisgau

Die Staufener Stadtväter hofften, durch Erdwärme-Heizung für das Rathaus die Belastung des Stadtsäckels zu reduzieren. Aber – Pech gehabt, die geologische Situation machte allen einen Strich durch die Rechnung:

»Unter Staufen brodelt etwas. Die gesamte Stadt hat sich angehoben. Und das in Dimensionen, die für geologische Verhältnisse enorm sind. Es geht um mehrere Zentimeter pro Monat.«

Und jetzt streiten sich alle, wer daran Schuld sei – die Planer, der Auftraggeber, die Genehmigungsbehörde oder wer auch immer. Und die Aussichten sind finster – es wird damit gerechnet, dass der Untergrund der Stadt teilweise bis zu zwei Metern ansteigen könnte…

Eine Kette Schwarzer Montage…

…und keine Besserung in Sicht?

Mensch traut sich ja kaum mehr, die Zeitung aufzuschlagenOnline-News zu lesen (Totholz-Infos sind zu langsam)! In der vergangenen Woche las ich abends NYTimes, WaPo oder HuffPost, um zu sehen, was auf der anderen Seite des Atlantiks so passiert. Heute kommt es mir so vor, als könnten wir die Vorgänge dort als Vorhersage für hier – mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung – verstehen.

Sagten wir früher, dass die Amerikaner uns Deutschen in vielen Dingen um ein oder zwei Jahre voraus seien, hat sich dieser »Vorsprung« nun leider auf einen oder zwei Monate verkürzt. Keine Zeit mehr, um vom grossen Vorbild zu lernen.

Und was in den letzten Tagen hier in Deutschland passiert, spottet jeder Beschreibung. Demokratie? Regierung? Njet, de nada. Das eilig geschnürte Rettungspaket für die HRE lassen die Banken platzen, die Regierung erfährt es aus der Presse. Die ZEIT dazu:

Wer regiert hier noch in Deutschland? Ist es die Regierung, […] Oder sind es die Spitzen des Finanzkapitals, die in goldenen Zeiten Milliarden-Gewinne kassiert haben, und die nun, wo sie der Krise nicht mehr Herr werden, nach dem lange verachteten Staat rufen?
Allem Anschein nach sind es die Banken und die Finanzmärkte. [Quelle: Die Zeit, »Entmachtet die Banken«]

Wie gesagt, die Amerikaner sind da schon ein bisschen weiter. Manchen Bundesstaaten wie z.B. Kalifornien droht nun die Zahlungsunfähigkeit, da sie nicht mehr an kurzfristige Kredite kommen. Das hiesse dann konkret, dass Staatsangestellte wie Lehrer, Krankenschwestern etc ab November keinen Lohn mehr erhielten. Wo liegt Silicon Valley noch mal?

Lese ich jetzt weiter online über die »schrecklichen« amerikanischen Zustände, oder reicht es aus, hin und wieder den Wirtschaftsteil der Kieler Nachrichten aufzuschlagen? Mal sehen…

Ach ja, weiss nicht mehr, ob ich diesen schönen Artikel von Heribert Prantl in der SZ mal erwähnt habe: »Weltökonomie – die kapitale Läuterung»…

Und noch eine Ergänzung – das Gesetzgebungsverfahren in Amerika weicht ja von unserem, gewohnten, ab. Eine sehr gute Einführung – am Beispiel des 700 Mrd $ bailouts – habe ich auf USA erklärt gefunden. Danke!

WTF – zusätzlich zur »Verstaatlichung« des Bankensektors gleich was Ähnliches für die Automobilbransche – »Ein neuer Ruf nach Staatshilfe: Die europäische Autoindustrie bittet die EU angesichts der andauernden Finanzkrise um ein milliardenschweres Hilfspaket«…

Amerikas Ermächtigungsgesetz über mindestens 700.000.000.000 $

Der Plan des US-Finanzministers Paulson zur Rettung des amerikanischen Finanzsektors enthält einige interessante Passagen, so zum Beispiel Section 8:

Decisions by the Secretary pursuant to the authority of this Act are non-reviewable and committed to agency discretion, and may not be reviewed by any court of law or any administrative agency. (Zitat aus HuffPost).

Das muss mensch sich mal vorstellen – die Ergebnisse des Rettungsplanes dürfen nicht durch eine andere Regierungsstelle noch durch unabhängige Gerichte überprüft werden – a real anything goes
Sehr demokratisch…

Hat der Kapitalismus nicht gesiegt, sondern nur sich selbst überlebt?

Fragt Heribert Prantl in einem lesenswerten Artikel in der Süddeutschen Zeitung:

»Der Kapitalismus hat gesiegt. So sagt man, seitdem Kommunismus und Staatssozialismus weltweit gescheitert sind. Mittlerweile drängt sich aber der Eindruck auf, dass der Kapitalismus gar nicht gesiegt, sondern nur überlebt hat, womöglich auch sich selbst. Sieger sehen anders aus.[…]«

Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende für den »freien« Finanzmarkt?

[…] the fall of Wall Street is for market fundamentalism what the fall of the Berlin Wall was for communism – it tells the world that this way of economic organization turns out not to be sustainable. In the end, everyone says, that model doesn‹t work. This moment is a marker that the claims of financial market liberalization were bogus.[…]

Lesenswertes Interview mit dem amerikanischen Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz zur Bedeutung der aktuellen Finanzkrise der Weltwirtschaft in der HuffPost.

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