Sturm zum ersten Advent

Am Samstag des ersten Advents findet bei uns in Selent immer der Weihnachtsmarkt der Selenter Liedertafel statt. Der Weihnachtsbaum ist dieses Jahr prächtig wie schon lange nicht mehr, dank an die Spender von der Bullenkoppel. Nur der Christbaumständer war am Samstag gewöhnungsbedürftig:

07012011

Grund: Starke Sturmböen warfen den Baum fast um, sodass ein bisschen Gegengewicht notwendig war. Leider verhinderte der Sturm auch den Aufbau des einen oder anderen Standes, öfters wurde die Ware von den Tischen geweht. Wie gewohnt kam gegen vier der Weihnachtsmann, und das Gedränge war wieder gross.Weihnachtsmann in Selent

Abends wieder ein bisschen Kultur – der erste Auftritt von JustBe4, einer Band, die Songs aus den Sechzigern bis in die Anfänge der Achziger spielte. Es war ein Benefizkonzert für die Nachmittagsbetreuung der Schule am Selenter See, in deren Aula der Gig stattfand. Rund achzig Zuhörer hatten sich eingefunden, leider hatten sie das Versteck der Stühle gleich entdeckt, sodass sich erst nach der Pause einige zu tanzen trauten. Schade um die tolle Musik…

Just Be 4 in der Aula der Schule am Selenter See

Zwei der vier Musiker sind uns altbekannt als Mitglieder von JustFriends, Uwe Band (voc, git) und Peter Ossendorf (bass, voc). Die Songs lösten alte Erinnerungen bei mir aus, und Abhotten war ein guter Ausgleich zum Frieren auf dem Dorfplatz…

Kulturtipp – »Bossa Três« am 1.12.07 in der »Alten Gärtnerei« in Kiel

Bossa Tres am 1.12.07 in der Alten Gärtnerei in KielBossa Três (Untertitel: O sientimento do Brasil) ist eine Formation, in der unsere Chorleiterin Katja Reusch aktiv ist.

»Bossa Nova: Sonne, Strand und Musik, die sich ins Ohr schmiegt – beschwingt, ohne sich aufzudrängen. „Bossa Três“ spielt diese feine, harmonische und melodisch ansprechende Musik.»

Ihr nächste Auftritt ist am Samstag, den 1. Dezember 2007 um 20 Uhr in der Ökosiedlung »Alte Gärtnerei«, Krusenrotter Weg, in Kiel.

 

Kleinbahn Preetz – Lütjenburg: Vortrag von Jürgen Stehr beim Selenter Snackfatt

Julia Sutter, die neue 1. Vorsitzende der AG Heimatkunde des Kreises PlönUnser Heimatverein, der Selenter Snackfatt, beging heute seinen 21. Klönschnack-Avend. Der Vortrag wurde in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Heimatkunde des Kreises Plön veranstaltet, deren Führung zahlreich vertreten war, von der neuen ersten Vorsitzenden, Jutta Sutter, über einem ihrer Vorgänger, Reinhold Wien, bis hin zu Dr. Irmtraut Engling, die zusammen mit ihrem Mann die AG 1970 mit begründete.

Für die AG Heimatkunde war dieser Abend ihr »Herbstvortrag«, denn Jutta Sutter berichtete davon, dass sie zwei jährliche Vorträge als neues »Produkt« eingeführt hätten; das Flaggschiff ihres Angebotes sei aber immer noch das gegen Ende des Jahres erscheinende Jahrbuch, an dem sich namhafte Wissenschaftler beteiligen würden.

Alter Bahnhof von LütjenburgZum Vortrag: Jürgen Stehr1 »snackte öber ohle Esenbahnen, an Hand vun Lichtbiller den Anfang bet tu´n Enn«, denn zwischen 1910 und 1938 führte vier Kilometer von Selent, unserem Dorf, die Kleinbahn Preetz – Lütjenburg vorbei.

 

kleinbahn preetz luetjenburgDiese war hauptsächlich eine »Güter«-Bahn, beteiligten sich doch an ihrer Einrichtung und Unterhaltung neben dem Kreis Plön und der Provinz Holstein die anliegenden Güter, herausragend Gut Lammershagen. So waren es auch hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe, die transportiert wurden. Täglich fuhren vier Zugpaare auf der Strecke, zu besten Zeiten waren 45 Mitarbeiter, davon 25 fest angestellt, an der Strecke beschäftigt.

speicher friedeburgDer Vortrag wurde von einer Diashow untermalt, denn Herr Stehr hat die ehemalige Strecke mit dem Auto oder zu Fuss wiederentdeckt, hat die Überreste der früheren Bahnhöfe, Haltestellen fotografiert, die durch zahlreiche Anbauten zu Wohnhäusern weiterentwickelt wurden. Vielerorts wurde die Trasse neu genutzt für Bundes- oder Kreisstrassen, manchmal sieht man noch die Dämme oder Geländeeinschnitte der alten Streckenführung mitten auf Weiden oder Feldern. Streckenweise wurde aber tabula rasa gemacht, der Damm einfach untergepflügt, so dass man nur noch auf alten Luftbildern den Verlauf erahnen kann.

bhf lammershagen ausweichstelleIm Laufe der Jahre stellte sich heraus, dass der Streckenverlauf zu einseitig auf die Güter ausgerichtet war. Grössere Orte wie gerade Selent waren nicht ausreichend angebunden, sodass die Strecke zur Personenbeförderung kaum angenommen wurde. Als die Lastkraftwagen als Transportmittel immer stärker genutzt wurden, war das Ende der Kleinbahn schnell besiegelt. Sie wurde nach 1935 komplett an die Wehrmacht (Luftwaffe) verkauft; aber erst 1965 wurde die buchhalterische Schlussbilanz gezogen.

de saal wer vull

Die Veranstaltung war mit knapp fünfzig meist älteren Zuhörern wie gewohnt sehr gut besucht. Aus dem Publikum kamen während des Vortrags öfters Anmerkungen und Ergänzungen, denn einige kannten die Kleinbahn noch aus eigenem Erleben.

Am Schluss machte Herr Wien noch Werbung für die AG Heimatkunde, aber, ich nehme mal an, dass viele der Zuhörer schon lange Mitglieder sind, unter anderem auch ich…

ps: Die Bilder sind nicht berauschend, da ich sie ohne Blitz aus der Hand geschossen habe. Und, es ist nur eine verschwindend kleine Auswahl – der Diavortrag umfasste über 200 Bilder!


  1. In der AG Heimatkunde aktiv als Vertreter für den sogenannten Güterdistrikt [back]

Endlich hatte ich mal Zeit – gestern zum Webmontag in Kiel

Ist ja wirklich schwierig, mich mal dazu aufzuraffen, abends zu einer Veranstaltung nach Kiel zu fahren. Geplant hatte ich es schon länger, aber immer kam was dazwischen. Steffen Voß schickte mir seit längerem die Einladungen per XING, das eine oder andere Mal hatte ich mich schon im Webmontags-Wiki zur Teilnahme eingetragen, musste dann aber wieder zurückziehen. Und nun hats geklappt…

Webmontag? »Webmontag bringt AnwenderInnen, EntwicklerInnen, GründerInnen, UnternehmerInnen, Venture Capitalists, ForscherInnen, Web-Pioniere, Blogger, Podcaster, DesignerInnen und sonstige InteressentInnen zum Thema Web 2.0 (im weitesten Sinne) zusammen.»

Der Termin gestern fand zum ersten Mal im KITZ statt, dem Kieler Pendant zu unserem Venturepark. Zum Treffen waren rund 20 Menschen gekommen, angemeldet hatten sich im Wiki m.E. zwölf. Dort traf ich denn auch auf John von mediahof, mit dem ich kurz zuvor noch telefonierte ;)

Ablauf der Webmontage: Bis 20 Uhr allgemeiner Plausch, danach Kurzvorträge zu unterschiedlichen Themen (im Wiki angekündigt), danach der gemütliche Teil, an dem ich gestern nicht teilnahm, da die Vorträge bis 22 Uhr dauerten.

Themen waren ein Bericht zu den Kieler Linux-Tagen, die Anfang September im KITZ stattfanden, eine kleine Einführung in das Trouble-Ticket-System/Helpdesk OTRS, eine kurze Erwähnung des Plone/Zope-Stammtisches, und Steffen Voß berichtete von der virtuellen Tagung des Postnuke Developer Meetings.

Der letzte Vortrag hatte mich angezogen, da es sich um den Einsatz eines ähnlichen Systems ging, wie wir bei der Blogging-Konferenz Anfang März eingesetzt hatten (damals digital samba) – die Online-Teilnehmer konnten sich per Flash-Anwendung in die Tagung einklinken. Veranstaltungsort war das »technisch hervorragend ausgestatteten Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre (virtUOS) der Universität Osnabrück« (kaffeeringe), zum Einsatz kam der Adobe Presenter, früher Macromedia Breeze Presenter.

Alles in allem hat es mir gefallen – Blicke über den Tellerrand schaden nie ;)

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Kulturcafé in der Bokeler Mühle: Fritz Brehmer las Geschichten

Fritz hat einen guten Zuhoerer hinter sich ;)

Autorenlesung in der Bokeler Mühle: Fritz Brehmer las Geschichten rund um das Dietrichsdorfer Original Jens Jensen, der nach dem Krieg in Dietrichsdorf-Neumühlen im Dorfkrug unterkam und ihn später übernommen hatte. Sein Haus war Treffpunkt für seine Freunde, für Künstler, Studenten und Politiker.

Fritz Brehmer, der in Kiel Pädagogik studierte und damals schon mit dem Schreiben begann, hatte Jens Jensen Anfang der Siebziger kennengelernt, als ihn ein Freund aus einem Literaturzirkel mit zu Jensen nahm. Jensens Haus war Treffpunkt für seine Freunde, für Künstler, Studenten und Politiker; es war öfters für kürzer oder länger Zufluchtsort für Freunde, die das Leben gebeutelt hatte und eine sicheren Hafen brauchten.

Um diese Zeit rankten sich die Erzählungen, die kleine Begebenheiten aus dem Freundes- und Nachbarkreis schildern, aus seiner schriftstellerischen Arbeit, die Jensen »Hausaufgaben machen« nannte. Er war Studierender – lernte Japanisch, las lateinische und griechische Literatur, Philosophie, über Kunst und Astrologie. Es waren knappe, schlichte Miniaturen, die Fritz vorlas. Es war deutlich zu spüren, dass diese Begegnungen mit Jensen Fritz Brehmer beflügelt hatten, sich weiter mit dem eigenen Schreiben auseinander zu setzen.

Fritz, der als Sozialpädagoge bei der »Brücke« in Neumünster arbeitet, veröffentlichte 1996 sein erstes Buch, »In allen Lüften hallt es wie Geschrei – Jakob van Hoddis – Fragmente einer Biografie«, das ich gestern abend noch gelesen habe, über den jüdischen Schriftsteller van Hoddis.

Hans Davidsohn (Künstlername Jakob van Hoddis), Autor des vielleicht berühmtesten expressionistischen Gedichts, »Weltende«, hochbegabt, versuchte nach dem Abitur sich in mehreren Studiengängen, die er aber nicht beendete. Seit Kindertagen schrieb er Gedichte, verlegte sich später ganz auf das Schreiben. Schon früh mit Depressionen und schwankenden Gemütslagen behaftet, wechselten sich ab seinem 28. Lebensjahr Klinikaufenthalte mit Unterbringung in privater Betreuung ab. 1942 wurde er zusammen mit anderen Patienten der Jüdischen Heil- und Pflegeanstalt deportiert, von diesem Transport kam niemand mehr lebend zurück.

Das Buch, eine Kollage aus Krankenberichte seiner Klinikaufenthalte, Briefe von ihm, Freunden oder aus seiner Familie, versucht sein Leben nachzuempfinden, seine Genialität und seine Schwächen sichtbar zu machen. Es ist eine Auseinandersetzung mit Hochbegabung, psychischer Anfälligkeit oder Erkrankung, und Psychiatrie.

Mich hat an dem Buch der damalige Umgang mit psychisch Anfälligen erschreckt – von Familienangehörigen in eine Klinik entführt und weggesperrt zu werden. Er wurde vor seinen Freunden fast versteckt, die ihm helfen wollen, die andere Psychiatrieverfahren vorschlugen – damals kam die Psychoanalyse nach Freud gerade in Anwendung.

Das Buch zeichnet die Schwierigkeit innerhalb der Gesellschaft nach, zwischen Hochbegabung und Ver-rückt-heit zu unterscheiden, die Unmöglichkeit, entstehende Spannungen anzunehmen und auszuhalten. Die Ablehnung und Abgrenzung des Nicht-Ganz-Normalen. Ist es heute viel besser geworden?

Blick aus der Bokeler Muehle auf die AuenlandschaftDie Lesung fand vor rund sechzig Zuhörern statt, die sich in der Bokeler Mühle, dem Lebens- und Schaffensmittelpunkt des Bildhauers und Projektemachers Thomas Jaspert eingefunden hatten. Thomas hat die alte Mühle, in der noch wenigen Jahren Getreide für Vieh gemahlen wurde, erworben und umgebaut. Zuvor war sie auch Ausstellungsort für die filigranen Geschöpfe von Kerstin Mempel, eine Station unseres Kunstpfades vom projektEINS.

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