So viele Fragen vor der Wahl

Gestern sprachen mich Freunde an und wollten wissen, mit wem meine Liste, die AFW, denn nach der Wahl koalieren werde – wir hätten dazu keine Aussage gemacht.

Sind wir denn im Bundes- oder Landtag? Dort ist es eher möglich, aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtungen der Parteien schon vor der Wahl Vorstellungen zu äußern.

Hier auf dem Dorfe sind solche Aussagen nicht einfach zu treffen. Sicherlich, jede/r hat so ihren Wunschpartner, aber – das bezieht sich dann eher auf die einzelnen Personen denn auf eine Gruppierung. Und je nach dem, wie die Wahl ausgeht, kann die Entscheidung unterschiedlich ausfallen, mit wem man gemeinsam abstimmt. Abwarten…

Utn Dörp – Gemeindevertretung: Farce oder nicht?

»Alles Gemauschel, was in Selent passiert« – diesen Vorwurf habe ich in den letzten Tagen öfters vernommen, »im Gemeinderat herrscht Einmütigkeit, wie die Fraktionen auch heissen mögen, nie gibt es Gegenstimmen»…

Ich kann es nicht mehr hören. Ich kann es wirklich nicht mehr hören, habe auch keine Lust mehr, dauernd erzählen zu müssen, wie die politische Willensbildung bei uns funktioniert.

Ich wünsche mir, dass aufgeklärte Bürger sich damit auseinandersetzen, wie Kommunalpolitik tatsächlich gemacht wird. Daß einmal Kommunalpolitiker danach gefragt werden, wie die Gemeinde zu einer Entscheidung kommt. Aber nein, es wird auf Grund des Augenscheins (»Einmütigkeit«) darauf geschlossen, das alles nur eine Farce sei.

Also, ganz langsam, zum Mitschreiben:

Gemeindevertretersitzungen sind nur der letzte, rechtlich notwendige Schritt, um die politische Willensbildung zur Umsetzung zu bringen bzw. durch die Beschlüsse das Hauptamt, also die Verwaltung, zu veranlassen, die notwendigen Schritte zu unternehmen.

Vorhergegangen sind aber

  1. Diskussionsprozesse in den einzelnen Fraktionen. Je nach Aktivitätsgrad der Fraktion treffen wir1 uns in mindestens monatlichem Rhythmus, bei wichtigen Entscheidungen werden auch häufigere Termine notwendig.
  2. Anschliessend setzt mensch sich in den Fachausschüssen mit den Themen auseinander. Hier kommt es öfters zu sehr kontroversen Diskussionen, die im Normalfall konstruktiv ausdiskutiert werden. Falls sich kein einheitlicher Entschluss abzeichnet, kann es gut sein, dass ein neuer Termin anberaumt wird und zwischenzeitlich die Fraktionen weiterdiskutieren.
  3. Danach erst erfolgt die schlussendliche Beschlussfassung in der Gemeindevertretersitzung, wo keiner Lust hat, länger als unbedingt nötig die viel diskutierten Themen weiter auszuwalzen.

Die Ausschuss-Sitzungen sind allesamt öffentlich(!), seit der laufenden Legislaturperiode sogar die des Finanzausschusses. Die Termine werden in den Bekanntmachungskästen ausgehängt und in den Kieler Nachrichten abgedruckt.

Normalerweise haben Bürger kein Rederecht in einer Ausschuß-Sitzung. Ich habe es aber selbst noch nie erlebt, dass Wortmeldungen aus der Zuhörerschaft nicht zugelassen wurden, wenn die Beiträge zum aktuellen Thema waren.

Sicher, ein Sitzungsbesuch ist mit einer gewissen Hemmschwelle verbunden, die erst einmal überwunden werden muss.

Aber wir sind doch alles Selenter, oder?


  1. Ich selbst bin seit ca. zehn Jahren kommunalpolitisch aktiv, aktuell bei der AFW-Fraktion, und sitze seit einigen Monaten im Sozialausschuss. [back]

Kleinbahn Preetz – Lütjenburg: Vortrag von Jürgen Stehr beim Selenter Snackfatt

Julia Sutter, die neue 1. Vorsitzende der AG Heimatkunde des Kreises PlönUnser Heimatverein, der Selenter Snackfatt, beging heute seinen 21. Klönschnack-Avend. Der Vortrag wurde in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Heimatkunde des Kreises Plön veranstaltet, deren Führung zahlreich vertreten war, von der neuen ersten Vorsitzenden, Jutta Sutter, über einem ihrer Vorgänger, Reinhold Wien, bis hin zu Dr. Irmtraut Engling, die zusammen mit ihrem Mann die AG 1970 mit begründete.

Für die AG Heimatkunde war dieser Abend ihr »Herbstvortrag«, denn Jutta Sutter berichtete davon, dass sie zwei jährliche Vorträge als neues »Produkt« eingeführt hätten; das Flaggschiff ihres Angebotes sei aber immer noch das gegen Ende des Jahres erscheinende Jahrbuch, an dem sich namhafte Wissenschaftler beteiligen würden.

Alter Bahnhof von LütjenburgZum Vortrag: Jürgen Stehr1 »snackte öber ohle Esenbahnen, an Hand vun Lichtbiller den Anfang bet tu´n Enn«, denn zwischen 1910 und 1938 führte vier Kilometer von Selent, unserem Dorf, die Kleinbahn Preetz – Lütjenburg vorbei.

 

kleinbahn preetz luetjenburgDiese war hauptsächlich eine »Güter«-Bahn, beteiligten sich doch an ihrer Einrichtung und Unterhaltung neben dem Kreis Plön und der Provinz Holstein die anliegenden Güter, herausragend Gut Lammershagen. So waren es auch hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe, die transportiert wurden. Täglich fuhren vier Zugpaare auf der Strecke, zu besten Zeiten waren 45 Mitarbeiter, davon 25 fest angestellt, an der Strecke beschäftigt.

speicher friedeburgDer Vortrag wurde von einer Diashow untermalt, denn Herr Stehr hat die ehemalige Strecke mit dem Auto oder zu Fuss wiederentdeckt, hat die Überreste der früheren Bahnhöfe, Haltestellen fotografiert, die durch zahlreiche Anbauten zu Wohnhäusern weiterentwickelt wurden. Vielerorts wurde die Trasse neu genutzt für Bundes- oder Kreisstrassen, manchmal sieht man noch die Dämme oder Geländeeinschnitte der alten Streckenführung mitten auf Weiden oder Feldern. Streckenweise wurde aber tabula rasa gemacht, der Damm einfach untergepflügt, so dass man nur noch auf alten Luftbildern den Verlauf erahnen kann.

bhf lammershagen ausweichstelleIm Laufe der Jahre stellte sich heraus, dass der Streckenverlauf zu einseitig auf die Güter ausgerichtet war. Grössere Orte wie gerade Selent waren nicht ausreichend angebunden, sodass die Strecke zur Personenbeförderung kaum angenommen wurde. Als die Lastkraftwagen als Transportmittel immer stärker genutzt wurden, war das Ende der Kleinbahn schnell besiegelt. Sie wurde nach 1935 komplett an die Wehrmacht (Luftwaffe) verkauft; aber erst 1965 wurde die buchhalterische Schlussbilanz gezogen.

de saal wer vull

Die Veranstaltung war mit knapp fünfzig meist älteren Zuhörern wie gewohnt sehr gut besucht. Aus dem Publikum kamen während des Vortrags öfters Anmerkungen und Ergänzungen, denn einige kannten die Kleinbahn noch aus eigenem Erleben.

Am Schluss machte Herr Wien noch Werbung für die AG Heimatkunde, aber, ich nehme mal an, dass viele der Zuhörer schon lange Mitglieder sind, unter anderem auch ich…

ps: Die Bilder sind nicht berauschend, da ich sie ohne Blitz aus der Hand geschossen habe. Und, es ist nur eine verschwindend kleine Auswahl – der Diavortrag umfasste über 200 Bilder!


  1. In der AG Heimatkunde aktiv als Vertreter für den sogenannten Güterdistrikt [back]

Karte des Dorfes Selent aus dem Jahre 1873

Stolperte gerade über eine »alte« Karte, die ich für einen Vortrag von Olga Weisner (Jörgs Mutter) über das Selent des Jahres 1900 zusammengestellt hatte. Sie hielt diesen Vortrag im Jahr 2000 beim Wirtschaftsverein Selenter See.
Grundlage war die Gemarkungskarte des selbständigen Gutsbezirkes Lammershagen aus dem Jahre 1873:

Gutsbezirk Lammershagen: Das Dorf Selent, 1873

Ja, Selent ist eindeutig gewachsen ;)

Selent – kein Platz für Kinder und Jugendliche?

Dieser Gedanke drängt sich mir auf, wenn ich das aktuelle Geschehen rund um die Bebauung im Blomenburg-Park betrachte. Dort sollen im Endausbau ca. 300 neue Wohneinheiten entstehen, und es war ein Spielplatz geplant, der nun im Zuge der zur Zeit diskutierten B-Plan-Änderung ersatzlos gestrichen werden soll.

Von Seiten des Investors kann ichs nachvollziehen – Arrondierung des entsprechenden Quartiers und vielleicht Gewinnmaximierung durch einen zusätzlichen Bauplatz in prominenter Lage. Dass die Gemeindevertreter dazu aber noch keine Stellung bezogen haben – quer durch alle Fraktionen wurde es bislang »zur Kenntnis genommen«, wie mensch so schön sagt – ist aber schon erschreckend.

Aber es passt ins Bild – wir haben derzeit einen einzigen Spielplatz, der noch dazu am Rande von Selent liegt. Vor einigen Jahrzehnten war bei der Erschliessung eines neuen Baugebiets ein Spielplatz geplant, aber man ließ sich mit der Umsetzung so lange Zeit, dass seine Errichtung obsolet wurde und man die Fläche an einen Grundstücksnachbar verkaufte.

Als ich auf der öffentlichen Bürgeranhörung im Juni dies angesprochen habe, stellte der Eigentümer des Blomenburg-Geländes, Dietmar Hartmann, es richtig — geplant seien mehrere Angebote für Kinder und Jugendliche im Park-Gelände, darunter ein »Pfad der Sinne« nach Kückinghaus Kükelhaus.

Naja, geplant wurde auf der Burg schon einiges…1 Und wie ich zwischenzeitlich von einer Mitarbeiterin vernehmen durfte, ist die derzeitige Sprachregelung, »der ganze Park ist ein Pfad der Sinne«.
Edit 23.11.06: Ich hatte gestern nachmittag ein langes und intensives Gespräch mit dem Investor, Dietmar Hartmann, und musste feststellen, dass ich die Äusserung seiner Mitarbeiterin falsch ausgelegt hatte.
Er ist fest entschlossen, im Park- und Waldgelände Erlebnispunkte für Kinder und Jugendliche einzurichten, an denen sie unsere Umwelt und die uns umgebende Natur hautnah erleben, be«greifen« können, als Gegenpol zu der reizüberfluteten Bildschirm-Kost, mit der Kinder heutezutage aufwachsen.

(weiterlesen…)


  1. Ich halte mehr von verlässlichen, schriftlichen Zusagen. [back]
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