Utn Dörp – de Kark sölt in Dörp blieven oder de Paster sien nies Kleid

»Laßt die Kirche man im Dorf«, dieser Spruch wird gern in politischen Kreisen verwandt, wenn es um Neues, allzu Ungewohntes geht. Vor ein paar Tagen, bei einer erregten Diskussion am Tresen unseres Gasthofs kam mir der Spruch wieder in den Sinn. Die Kirche, beziehungsweise der Förderverein zur Restaurierung unserer St. Servatius-Kirche (näheres hier) hat dies eben nicht getan.

Naja, der Kirchenbau steht weiter im Dorf, aber: Es soll ein Benefizessen zur Unterstützung der Kirchenrenovierung veranstaltet werden. Laut eines Berichtes in den KN findet es in Damdorf, kurz vor Preetz also, statt. Also — nicht nur ausserhalb Selents, sondern auch ausserhalb des Kirchspiels. Und nun erregen sich die Gemüter im Dorf, und viele meinen, dass die Kirche es nicht nötig hätte, von den Selentern unterstützt zu werden, wenn sie es nicht für nötig hält, das Essen in Selent auszurichten.

Ja, was solls, denken viele, halt überkommenes dörfliches Denken, Kleingeisterei, hat sich gehabt. Vielleicht, aber nicht bei uns auf dem Lande, wo alles ein fragiles Gleichgewicht des Gebens und Nehmens ist. Ich wollte es vor einigen Jahren auch nicht wahrhaben, sehe nun aber seinen Sinn. Weshalb soll ich mich für meinen Nächsten einsetzen, wenn ich für ihn keines Gedankens wert bin? Die Kraft jedes Einzelnen ist nicht unendlich…

Ich weiss schon genau, dass wir dies Thema irgendwann im Selenter Wirtschaftsverein haben werden. Wir haben einige hundert Euro für die Kirchenrenovierung gespendet – und nun wird die Auftaktveranstaltung nicht beim Selenter Kröger abgehalten? Schwer zu vermitteln.
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Blogintern: Neue Kategorie

Utn Dörp — Eine Kolumne über Klatsch & Tratsch aus dem Dorf, Geschichten, bei denen meine eigene Stimme unüberhörbar an die Oberfläche tritt, die landläufige Meinung zu übertönen versucht und deshalb nicht allzuernst genommen werden sollte. Frank Hunck pur.

Jou, war notwendig. Ich habe mich bislang drauf beschränkt, meine Artikel aus dem Dorf so objektiv wie möglich zu verfassen, vernünftige Berichterstattung halt. Aber das ist frustrierend, hin und wieder sollte mensch auch mal die Sau rauslassen können (als ob ich das könnte…), subjektive Eindrücke vermitteln, bisschen über die Stränge schlagen halt.

Wo bleibt da die eigene Meinung, die Lust an der Sache? Auf der Strecke natürlich. Und irgendwann hängt es einem zum Halse raus. Denn, mensch wird für die objektive Berichterstattung nicht bezahlt, nein, es ist der eigener Anspruch…

Unsere Printmedien haben da weniger Probleme mit. Halt — so meine ich es denn auch wieder nicht, dem auflagenstarkes Organ mit fetten Überschriften und vielen bunten Bildern will ich nicht nacheifern (Grund siehe hier), einfach ein Kolumnenbereich, in dem ich ein bißchen ablästern kann.

Der Tipp dazu kam aus berufener Feder — greif ich gerne auf, vielleicht belebt es die Diskussion hier auch »a bissle«. Der eine oder andere Artikel wird sich aus der provinziellen Enge befreien wollen, aber man schaun…

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